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2026 Japan

 

Mi, 30. September

Das vorbestellte Taxi kommt pünktlich um 10h.

Das Einchecken geht ganz schnell. Man kann das alles selber machen, sogar das Aufgeben des Gepäcks.

Im Restaurant „Zugvogel“ gönnen wir uns zum Abschied Kaffee und Apfelstrudel.

Um 13h30 ist Boarding.

Der Flug in der riesigen AUA-Maschine ist recht angenehm, aber leider schlafen wir praktisch gar nix.

 

Do, 1. Oktober

Ankunft in JAPAN.

Wir landen nach 11½ Std. um 8h30 auf dem Narita-Airport von TOKIO.

Die Irrwege, die wir - auf Anweisung des Personals - durch den Flughafen nehmen müssen, erscheinen uns nicht sehr effizient, eher chaotisch.

Jedenfalls werden unsere Pässe mehrmals eingescannt, und immer wieder müssen wir unsere Fingerabdrücke abgeben.

Endlich haben wir unsere Koffer und kommen ans Tageslicht.

Entgegen dem Wetterbericht ist es sommerlich warm und trocken.

Mit dem „Skyliner“, einem Vorortezug, fahren wir in die Stadt, bis Ueno. Die Tickets hat Klaus bereits in Wien gekauft.

Mit der U-Bahn geht es weiter. Hier kämpfen wir mit unseren 3-Tages-Karten.  

Ständig verschwindet der QR-Code und verlangt ein neues Passwort.

Eine Weile spielen wir das Spiel mit. Dann wird es uns zu dumm, und wir schwindeln uns für den Rest des Tages einfach durch.

Mal sehen, wie das morgen weitergeht.

Wir geben unser Gepäck im Comfort Hotel ab. Einchecken können wir erst um 15 Uhr.                

Wir ziehen los zu unserer ersten Besichtigungstour.

Der Kaiserpalast von Tokio liegt mitten im Zentrum der Stadt. Er ist immer noch die Hauptresidenz des Tennō.

Von der eher großstädtischen Umgebung mit älteren und neueren Hochhäusern taucht man in eine andere Welt voller Grün ein.

Hier stand einst die Burg Edo- über Jahrhunderte das Zentrum der Macht.

Im Zweiten Weltkrieg wurde leider sehr viel zerstört.

Einiges baute man wieder auf.

Wir spazieren durch die weitläufigen Gärten, über Brücken, vorbei an Teichen.

Alles ist von massiven Mauern umgeben.

Der eigentliche innere Palast ist für uns Normalsterbliche nicht zugänglich.

Wir haben den Jetlag nicht sofort gespürt, aber am Nachmittag schlägt er – besonders bei mir – erbarmungslos zu.

Der Weg nach Hause entpuppt sich als wahre Odyssee- und das bei einer Temperatur von 30°.

Die Strecken innerhalb der U-Bahn-Stationen sind unglaublich lang, und es geht ständig treppauf und treppab.

Wir wanken buchstäblich auf dem Zahnfleisch dahin. 

Kein Wunder, wir waren 33 Stunden wach. 

Trotzdem sind wir aufmerksam genug, dass uns bereits an unserem ersten Tag einige der typischen Klischees auffallen, über die wir in unserem Japan-Büchern gelesen haben.

Junge Damen tragen Sonnenschirme und lange Ärmel, die auch noch ihre Handrücken bedecken. Sie wollen ihren – möglichst hellen – Teint behalten. 

Viele Leute tragen Masken. 

Fettleibigkeit scheint so gut wie unbekannt zu sein- obwohl Ausnahmen die Regel bestätigen. Fast Food hat natürlich auch hier seinen Siegeszug angetreten.

Auch einige Damen im traditionellem Kimono gehen an uns vorbei.

Überall stehen Verkaufsautomaten herum.

Wir haben auch schon mit sprechenden Rolltreppen und Aufzügen Bekanntschaft gemacht.

Nicht zu vergessen die Toiletten mit ihren unzähligen Knöpfen.

Ganz typisch für Japan sind die vielen jungen Business-Men in schwarzem Anzug und weißem Hemd mit Krawatte und Laptop-Tasche. 

Von diesem Outfit gibt es auch eine weibliche Variante, aber viel seltener.

Und, was wir sehr genießen, ist die absolute Sauberkeit. Es wird auch ständig geputzt.

Sogar das Rauchen ist auf der Straße verboten.

Klaus macht es großen Spaß, japanische Aufschriften lesen zu können. Aber vieles ist auch auf Englisch angeschriebenD. Das ist natürlich sehr hilfreich.

 

Fr, 2. Oktober

Wir haben gestern bis ca. 21h30 durchgehalten, wach zu bleiben.

Und heute früh sind wir erstaunlich gut ausgeschlafen.

Das Frühstücksbuffet empfinden wir als äußerst zufriedenstellend.

Es gibt japanisches Essen, englisches und europäisches Frühstück.

Außerdem erfahren wir, dass man das Wasser in Japan aus der Leitung trinken kann. Es wird streng kontrolliert.

Erfrischt und gestärkt machen wir uns auf zu neuen Abenteuern.

Offenbar hat es geregnet. Die Straßen sind nass, und es hat merklich abgekühlt- wie angenehm!

Wir kämpfen auch heute wieder mit unseren Subway-Tickets.

Eine junge Dame von den Verkehrsbetrieben nimmt sich rührend unser an, aber leider kann sie uns auch nicht helfen. Wir wurschteln uns weiter irgendwie durch. 

Dieses komplizierte System durchschauen wir einfach nicht.

Immer wieder kommen freundliche Japaner auf uns zu und fragen, ob sie uns helfen können. Wenn wir erwähnen, wo wir herkommen - aus Wien - strahlen sie.

Die erste Station des heutigen Tages ist der Meiji-Schrein. 

Der Weg dorthin führt durch Nebengassen mit auffällig schmalen Häusern. Wir haben ja gelesen, dass die Wohnungen sehr klein sind.

Sämtliche elektrische Leitungen baumeln über unseren Köpfen, ein Kabelsalat wie in italienischen Dörfern vor dreißig Jahren.

Durch ein hölzernes Tor, das Torii, betritt man den heiligen Ort, einen der bekanntesten Shintō-Schreine Tokios. 

Er liegt in einem wunderschönen, großen Wald. So wunderbar friedlich ist es hier. 

Wir sind ganz überrascht, dass die Anlage erst 1920 errichtet wurde- zu Ehren des Kaisers Meiji (1852–1912),  unter dem sich Japan besonders stark modernisierte, und in der die Stadt EDO in TOKIO umbenannt wurde.

Der Name bedeutet "östliche Hauptstadt", und der Tennō verlegte seine Residenz hierher.

Das schöne Gebäude selbst mit seinen geschwungenen Dächern wurde ebenfalls im Zweiten Weltkrieg zerstört und wieder aufgebaut.

Zehntausende Bäume wurden extra für den Schrein gepflanzt. Heute wirkt das Waldgebiet ganz natürlich.

Wir haben Glück und können eine traditionelle Hochzeit beobachten.

Braut und Bräutigam und auch einige Gäste tragen prachtvolle Kimonos.

Wir entdecken eine Hütte, an deren Wänden viele kleine hölzerne Votivtäfelchen - die sogenannten Ema - hängen. Früher spendete man Pferde, die als Götterboten galten.

Die Schriftzeichen für Pferd und Bild sind dieselben. 

Also ging man zur Spende von Pferdebildern über, das war billiger. 

Heute sind es einfach Wunschtafeln.

Auch für die Mönche ist das angenehmer. Sie wussten bald nicht mehr, was sie mit den vielen Pferden anfangen sollten.

Direkt am Schrein kann man beten.

Wir machen es den Gläubigen nach: zweimal verbeugen, zweimal klatschen und noch einmal verbeugen. Natürlich wirft man auch einige Münzen als Opfergabe ein.

Hoch gestimmt durch die schöne Atmosphäre wandern wir auf Waldwegen zurück.

Jetzt freuen wir uns auf ein ganz besonderes Highlight, das um 13h im ganz modernen Neuen Nationaltheater auf uns wartet.

Wir haben eine Kabuki-Aufführung gebucht.

Ein englischsprachiger Audioguide erklärt uns einiges.

Diese traditionelle Theaterform ist ca. 400 Jahre alt und zeichnet sich durch aufwändige, farbenprächtige Kostüme, viel Schminke und stark stilisierte Bewegungen und Gesten aus.

Die Geschichten, die zur Aufführung gelangen, sind äußerst dramatisch. Da geht es meistens um Liebe, Rache und Ehre.

Traditionellerweise werden alle Rollen - auch die weiblichen - von Männern gespielt.

Ganz spezielle Musik und Gesänge begleiten das Stück.

Ein Sänger kommentiert und erklärt die Handlung und soll Emotionen schüren.

Auf uns wirkt das Ganze wie eine Mischung aus antiker Tragödie mit Chor und Bauerntheater. 

Der Großteil des Publikums besteht übrigens aus Japanern.

Drei Stunden haben wir im Theater ausgeharrt und die „wülde G’schicht“, aus der wir nicht ganz schlau geworden sind, verfolgt.

Nun haben wir uns eine Ruhepause im Hotel verdient.

Bei unseren Spaziergängen ist uns immer wieder aufgefallen, dass praktisch alle jungen Mädchen besonders kindlich und niedlich aussehen wollen, fast wie Mangas.

Sie tragen sehr kurze buschige Röckchen, Rüschen, Schleifen, weiße Strümpfe, die bis über die Knie gehen, Haarspangen und bunten Schmuck.

Kawaii nennt sich diese Jugend-Subkultur, bei der es nicht nur um Kleidung, sondern auch um Gestik und Sprache geht.

Das Make-up ist auch sehr wichtig. Es soll die Augen möglichst groß und den Teint möglichst hell erscheinen lassen.

Ein wenig despektierlich wird diese Aufmachung auch als Lolita-Fashion bezeichnet.

Wir trinken zu Hause Tee und widmen uns unseren Bildschirmen.

Kurz nach 18h ziehen wir nochmals los.

Draußen ist es schon ganz finster.

Diesmal nehmen wir den Autobus. 

Fast hätten wir uns zur Station in die Gegenrichtung gestellt, bis uns klar wird, dass ja in Japan Linksverkehr herrscht. 

Das gilt natürlich auch für die Fußgänger. Auf Stiegen und Rolltreppen ist es uns ja bereits aufgefallen.

Die Ticketmaschine im Bus nimmt nur Bargeld, aber unseren 10.000er Geldschein kann sie nicht wechseln. Der Fahrer resigniert und lässt uns gratis mitfahren.

Wir wollen Abendessen und Tokios ältesten buddhistischen Tempel, den Sensō-ji, besuchen. Der ist wirklich alt. Bereits 628 wurde er gegründet. 

Das rote Kaminarimon-Tor mit der riesigen Laterne ist sein Wahrzeichen.

Hier steht unter anderem eine fünfstöckige Pagode mit geschwungenen Dächern, die nach oben hin kleiner werden. Sie symbolisiert die Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Klaus macht stimmungsvolle Fotos bei nächtlicher Beleuchtung.

Von hier aus haben wir auch einen guten Blick auf den Tokyo Tower von 1958. 

Das Wahrzeichen der Stadt ist mit seinen 333m etwas höher als der Eiffelturm, dem er durchaus ähnlich sieht.

Er dient als Symbol für den Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg.

Von seiner Spitze aus soll man einen tollen Blick auf die riesige Metropole haben.

Die Suche nach einem - für uns - geeigneten Abendessen gestaltet sich gar nicht so leicht. Wir besuchen vergeblich mehrere Restaurants und benutzen unser Übersetzungsprogramm und Klaus’ Sprachkenntnisse, um etwas ohne Fleisch und Fisch zu finden.

Schließlich finden wir in einem Nebengässchen ein kleines Straßenlokal, in dem wir mehrere Sorten gebratenes Gemüse und Reis bekommen- köstlich.

Hier können wir auch einen unserer großen Geldscheine anreißen.

Der Rückweg gestaltet sich komplizierter als gedacht. 

Der Bus nach Hause fährt zu dieser Uhrzeit nicht mehr.

Wieder einmal bekommen wir Hilfe. Ein netter, junger Japaner bringt uns zu einem Taxi und erklärt dem Fahrer, wo wir hinwollen.

Wieder hat sich die Mischung aus Klaus’ japanischen Brocken und dem AppleProgamm als sehr nützlich erwiesen.

Eine Abendsitzung an unseren Laptops ist nun noch angesagt, bis wir ca. um Mitternacht müde in unsere Betten fallen.

​

Sa, 3. Oktober

Wir packen unsere Koffer und verabschieden uns von unserem winzigen Zimmer, in dem wir uns aber recht gut einrichten konnten.

Bevor wir die Stadt verlassen, besuchen wir noch die Shibuya Scramble Crossing, eine der berühmtesten Straßenkreuzungen der Welt und für viele das ikonische Bild von Tokio.

Alle Fahrzeuge werden zugleich angehalten, sodass Fußgänger aus mehreren Richtungen die gesamte Kreuzung diagonal und gerade überqueren können.

Das Ergebnis wirkt zunächst wie ein völliges Chaos- funktioniert aber erstaunlich geordnet. Sobald die Ampel umschaltet, setzt sich eine Menschenwelle in Bewegung. Zwei Minuten später ist wieder alles leer. 

An einem stark frequentierten Tag wird die Kreuzung von bis zu 500.000 Menschen genutzt.

Rundherum stehen riesige Gebäude mit leuchtenden Werbetafeln.

Wir schauen uns das Ganze von oben an, von der Plattform Shibuya Sky aus.

Sie befindet sich auf dem Dach eines 230m hohen Hochhauses. 

Die Aussicht auf die Stadt ist toll, aber auf der Kreuzung ist heute am Samstag zu Mittag nicht besonders viel los.

Direkt vor dem Bahnhof Shibuya steht die Bronzestatue des treuen Akita-Hundes Hachikō, der seinen Besitzer täglich zum Bahnhof begleitete und ihn dort nach der Arbeit wieder abholte.

Als das Herrchen eines Tages am Arbeitsplatz verstarb, kam der Hund fast neun Jahre lang immer wieder zum Bahnhof und wartete auf seine Rückkehr.

Dadurch wurde er zum Symbol für Treue und Verbundenheit, und man kann überall eine Plüschversion von ihm kaufen.

Wir fahren zurück zu unserem Hotel und holen unser Gepäck ab.

Die berühmte Rush Hour in der japanischen U-Bahn haben wir bis jetzt noch nie erlebt.

Wir sind recht froh, dass wir nicht von „Schiebern“ = Oshiya in völlig überfüllte Waggons

hineingedrückt worden sind.

In den Zügen war es immer sehr ruhig. Lautes Sprechen und Telefonieren wird als störend empfunden. Die meisten Fahrgäste schlafen oder starren auf ihre Handys.

Für den Weg zum Hauptbahnhof - Tokyō-eki - gönnen wir uns ein Taxi.

Unser Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszug fährt erst in einigen Stunden.

Also setzen wir uns in ein Lokal und nutzen die Zeit für Bildschirmarbeit. Durch einen erfreulichen Zufall sitzen wir neben Steckdosen.

Um 16h24 steigen wir in den Zug mit der charakteristischen Schnauze. 

Ganz zu Recht wird er auch Bullet Train genannt. Für die 450km nach KANAZAWA braucht er nur ca. 2½ Std. Er kann eine Geschwindigkeit von bis zu 320 km/h erreichen.

Ca. um 19h kommen wir an. Wir haben die Hauptinsel Honshu durchquert und sind jetzt an der Westküste Japans.

Der Bahnhof ist architektonisch ziemlich außergewöhnlich. Vor allem der Kontrast zwischen traditioneller japanischer Holzbaukunst und moderner Metallkonstruktion ist sehr spannend. Das rote, hölzerne „Tsuzumi-mon“ erinnert mich an das traditionelle Torii eines Shintō-Schreins. 

Es soll aber - wie der Name schon sagt - eine traditionelle Tsuzumi-Trommel darstellen. 

Die Säulen bestehen aus vielen, schräg angeordneten Holzbalken und wirken dadurch, als würden sie sich nach oben winden.

Hinter dem Tor befindet sich eine gewaltige Glas- und Aluminiumkonstruktion.

Zu unserem Hotel Smile PREMIUM können wir zu Fuß gehen.

Es ist viel edler als das in Tokio. Auch unser Zimmer ist größer. Leider bleiben wir hier nur für eine Nacht.

 

So, 4. Oktober

Wir haben recht gut geschlafen.

Das Frühstück können wir uns heute nicht aussuchen. Es wird serviert.

So kommen wir als Europäer in den Genuss von Würstchen und Eierspeise.

Wir packen unsere Koffer, deponieren sie im Hotel und machen uns zur heutigen Besichtigungstour auf.

KANAZAWA ist eine der interessantesten Städte Japans. Sie verbindet traditionelle Kultur und modernes Japan.

Wir genießen es, nicht mehr in einer Großstadt zu sein.

Zuerst wandern wir zur Burg, einer eleganten, weitläufigen japanischen Festungsanlage mit hellen Mauern, geschwungenen Dächern und dunklen Holzbalken.

Sie stammt ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert. Die Maeda-Familie, eine der mächtigsten Fürstenfamilien Japans während der Edo-Zeit (1603-1868), hatte hier ihren Sitz.

Mehrmals brannte die Anlage nieder und wurde wieder aufgebaut. Inzwischen gibt es auch moderne Rekonstruktionen.

Der hübsche Schlosspark zeigt restaurierte Burgtore, Türme, Gärten und Steinmauern.

Über den Burggraben geht es hinüber zum Kenroku-en, einem der „drei großen Gärten“ Japans.

Ein typischer japanischer Garten, in dem nichts dem Zufall überlassen ist, und der doch natürlich aussehen soll – von den geschwungenen grünen Hügeln, den Wasserläufen und kleinen Brücken bis zu den „Riesenbonsai“. Alles wirkt mit Pinzette und Nagelschere bearbeitet. Der Anblick wirkt sehr elegant und tut dem Auge und der Seele gut.

Jetzt freuen wir uns auf das Chaya-Viertel.

Chayas waren nicht einfach nur Teehäuser, sondern elegante Unterhaltungslokale, in denen Geishas auftraten.

Wir könnten so einen Abend buchen, wenn wir eine dieser sorgfältig gewandeten und geschminkten Künstlerinnen sehen wollen. Einfach so, auf der Straße, begegnen sie einem nicht.

Die engen Gassen mit den dunklen Holzhäusern vermitteln hier den Eindruck, wie eine historische japanische Stadt ausgesehen haben mag.

In vielen kleinen Läden werden Handwerkserzeugnisse angeboten.

KANAZAWA ist ja auch für die Blattgoldherstellung berühmt, die hier eine jahrhundertealte Tradition hat.

Hinweise dafür findet man viele, sogar in der Deko unseres Hotelzimmers.

Am schrägsten finden wir Speiseeis mit Goldüberzug.

Das Wort für Gold ist sogar ein Bestandteil des Namens der Stadt, wie der „Japanologe“ Klaus feststellt.

Nach einigen Kilometern in den Füßen bringt uns ein Autobus zurück zum Bahnhof.

Wir entdecken ein Restaurant, das uns – neben köstlichem veganen Curry mit Naturreis – auch Steckdosen und Platz für „Büroarbeit“ bietet.

Gleich nebenan überzeugt uns die „German Bakery“ nicht.

Klaus holt unser Gepäck aus dem Hotel nebenan.

Unser heutiger Zug geht erst um 16h18. Wir haben also noch genug Zeit zum Arbeiten.

Zuerst nehmen wir wieder einen Shinkansen bis NAGANO („Hermann Maier-City“).

Dabei erhaschen wir einen Blick aufs Japanische Meer.

Dann geht es mit einer langsameren Bahn weiter durch die Japanischen Alpen nach MATSUMOTO. 

320km sind wir unterwegs.

Ein Abendspaziergang zu unserem Quartier führt uns durch das Nakamachi-Viertel mit alten, engen Gassen, traditionellen Lagerhäusern und kleinen Geschäften.

Heute nächtigen wir in einem alten, typisch japanischen Holzhaus.

Der Vermieter kommuniziert mit uns über eine Übersetzungs-App.

Halsbrecherische Stufen führen hinauf in unser Zimmer, das nur mit dünnen papierartigen Schiebetüren abgeschlossen ist.

Es ist elegant und sparsam eingerichtet.

Auf dem Boden liegen Tatami-Matten aus Binsen-Gras. Ein niedriges Tischchen steht hier und es gibt Polster zum Sitzen.

In einem Nebenraum entdecken wir dann doch noch einen höheren Tisch, den wir als Schreibtisch verwenden können, und „richtige“ Sesseln.

Schlafen werden wir heute auf Futons, die in der Nacht aufgerollt und tagsüber weggeräumt werden.

Ca, 50% der Japaner wohnen noch auf diese Weise. Die Tendenz zum Bett ist aber stark ansteigend.

​

Mo, 5. Oktober

Wir schlafen lange aus, auf unseren bequemen Futons. In der Nase haben wir den angenehmen Geruch von frischem Heu, den die Tatami-Matten verströmen.

Unser Gepäck lassen wir zurück.

Unser erster Weg führt uns heute zur Shopping Mall, die uns unser Vermieter empfohlen hat- ein richtiger großer Supermarkt, in dem wir endlich Obst bekommen, das ja in Japan Luxus-Mangelware ist. Hier lässt es sich auch gut frühstücken.

Guten Mutes machen wir uns nun auf zur Burg.

Das wunderschöne Gebäude aus schwarzem Holz wirkt fast ein wenig geheimnisvoll.

Sie hat mehrere Stockwerke mit mehreren übereinanderliegenden Dächern.

Wegen ihres dunklen Aussehens wird sie „Krähenburg“ genannt.

In ihrer heutigen Form stammt sie aus dem 16. Jahrhundert und gehört zu den ganz wenigen erhaltenen originalen Burgen Japans. 

Ihre Spiegelung im Wassergraben ist besonders eindrucksvoll.

Diese Burg wollen wir uns auch von innen anschauen.

Entgegen unseren Erwartungen ist sie überhaupt nicht eingerichtet.

Alles ist aus Holz und wirkt sehr schlicht und ursprünglich.

Die Schuhe muss man ausziehen, und man steigt in Stümpfen über ungewöhnlich steile und enge Treppen bis ins 6. Stockwerk hinauf.

Von oben hat man eine nette Aussicht in die Berge. Dann geht es - vorsichtig - wieder hinunter.

Ganze Karawanen sind unterwegs und werden von eifrigen „Wächtern“ mit weißen Handschuhen in die richtigen Bahnen gelenkt.

Für meine heilende Achillessehne war das Stiegensteigen jedenfalls ein tolles Training.

Nach diesem „Senioren-Fitnessparcours“ holen wir das Gepäck aus unserem Quartier ab.

Wir haben ein Kärtchen mit dem Code für die Eingangstür bekommen, damit wir ins Haus können, wenn der Vermieter nicht da ist.

Wir legen es ordentlich im Vorraum ab, nehmen die Koffer und schließen die Tür hinter uns.

Wo ist Klaus’ Handy? Das hat er drinnen liegen gelassen.

Der Code ist leider nicht bis in unser Hirn gedrungen.

Nach einer kurzen Schrecksekunde fällt mir ein, dass wir gestern Abend irrtümlich durch die Hintertür eingedrungen sind, die nicht versperrt war.

Wir ergreifen diesen Hoffnungsstrohhalm und haben Glück. 

Uff, da sind wir aber erleichtert.

Bis zur Abfahrt unseres Zuges haben wir noch ca. eine Stunde Zeit. Also richten wir uns noch ein wenig im Starbucks ein.

Eine gemütliche Bummelbahn bringt uns ca. 80km weiter nach Süden nach KISO-FUKUSHIMA. Nein, der verheerende Tsunami um 2011 fand ganz woanders statt.

Wir sind hier in einem richtigen Bergdorf mit kleinen dunklen Holzhäusern gelandet.

Das umliegende Gebirge ist ca. 3000m hoch.

Ein Taxi bringt uns zu unserem Quartier. Es handelt sich wieder um ein traditionelles Haus mit Gemeinschaftsbad. Aber diesmal haben wir richtige Betten.

Der Vermieter macht sich die Mühe, herumzutelefonieren, um ein vegetarisches Dinner zu organisieren.

Er bringt Klaus mit dem Auto ins Restaurant. Ich habe leider Fasttag und bleibe daher zu Hause vor meinem Bildschirm. So verpasse ich ein herrliches Mahl mit besonderem Service. Der Wirt chauffiert Klaus wieder nach Hause.

 

Di, 6. Oktober

In der Früh, beim Auschecken, stellt Klaus fest, dass das Restaurant, in dem er gestern so toll bedient wurde, von Frau und Sohn des Vermieters betrieben wird.

Mit viel Hallo und Lachen werden wir verabschiedet. Der Sohn bringt uns mit dem Auto zum Bahnhof.

Hier kann man sich gut zurechtfinden, denn es gibt nur zwei Bahnsteige.

Wir sind eben auf dem Land.

Diesmal nehmen wir einen normalen Schnellzug, der uns durch eine wunderschöne Gebirgslandschaft 133km weiter nach Süden, nach NAGOYA bringt.

Nun wir sind wieder in einer Metropole.

Der Bahnhof wirkt wie eine eigene Stadt. Zwei große, moderne Türme scheinen direkt aus den Gleisen zu wachsen.

Auch noch andere ultramodere Glaspaläste fallen uns auf. Besonders toll ist die ungewöhnlich geschwungene Form der Gakuen Spiral Towers. Die drei Türme wurden 2008 gebaut und drehen sich spiralförmig umeinander.

Es handelt sich dabei um einen 36-stöckigen Schulcampus.

Wir checken im Kuretake Inn ein, lassen unsere Koffer im Hotel und fahren mit dem Taxi

zum Tokugawa Art Museum.

Bevor wir uns aber der Kultur widmen, essen wir in einem kleinen Lokal zu Mittag und lassen uns ein Gemüsecurry schmecken.

Im Museum schauen wir uns kunstvoll gearbeitete Samurai-Rüstungen und Schwerter an, Kimonos und Hofbekleidung.

Hausrat und Gegenstände für die Teezeremonie werden in nachgebauten - typisch japanischen - Zimmern mit Tatami-Matten und Papierwänden ausgestellt.

Solche Räume kennen wir ja mittlerweile aus eigener Erfahrung.

Besonders interessieren wir uns für die historischen Schriftrollen.

Klaus hat mir nämlich von einem der berühmtesten Werke der japanischen Literatur erzählt.

Es stammt aus dem frühen 11. Jhd. und wurde von der Hofdame am Kaiserhof, Murasaki Shikibu, geschrieben.

Die Geschichte vom Prinzen Genji bietet faszinierende Einblicke in die höfische Welt der Heian-Zeit (794-1185), in der sich Kultur, Literatur und Kunst besonders entwickelten,

bevor dann die Samurai-Klasse zunehmend die politische Macht übernahm.

Klaus hat in Vorbereitung auf unsere Reise begonnen, dieses Buch - natürlich auf deutsch - zu lesen.

Es geht um Liebe, Eifersucht, Einsamkeit, Vergänglichkeit und die Unmöglichkeit, dauerhaftes Glück zu finden.

Manchmal wird das Werk als „erster Roman der Welt“ bezeichnet, weil es ausführliche psychologische Darstellungen enthält, viele komplexe Personen und deren Entwicklung über viele Jahre. Es wird nicht nur eine einzelne Heldentat geschildert, sondern ein ganzes Leben mit seinen Höhen und Tiefen dargestellt. 

Auch die inneren Gedanken und Gefühle werden beschrieben.

Die Original-Manuskriptrolle des Romans existiert leider nicht mehr. 

Teile einer frühen Abschrift aus dem 12. Jhd. mit wunderschönen Illustrationen werden hier im Museum aufbewahrt, aber leider nur bei besonderen Ausstellungen gezeigt.

In einem Video können wir aber einen Teil dieser Bildrollen sehen.

Der Name des Museums geht übrigens auf einen Zweig der mächtigen Familie Tokugawa zurück. Sie stellte einige Shōgune, die lange Zeit die eigentliche politische und militärische Macht hatten, während der Tennō eher große religiöse und symbolische Bedeutung hatte.

Übrigens residierte der Shōgun in Edo, dem heutigen Tokio, während der Kaiser in Kyōto saß.

Nun machen wir noch einen Spaziergang durch den hübschen japanischen Garten, der das Museum umgibt. Mit seinen hohen Bäumen wirkt er parkartig.

Aus einem Teich heraus glotzen uns riesige, farbenprächtige Koi-Karpfen an. 

Diese Fische haben in Japan eine große Bedeutung. Sie stehen für Kraft, Ausdauer und Erfolg.

Unsere eigene Kraft und Ausdauer ist ziemlich erschöpft. Auch die Hitze trägt dazu bei. 

Es hat 27°.

Wir gönnen wir uns daher wieder ein Taxi und lassen uns zurück ins Hotel chauffieren, wo ja noch einige Bildschirmarbeit auf uns wartet.

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Mi, 7. Oktober

Heute ist das Wetter schon wieder sehr warm. Wie gut, dass ich im letzten Augenblick noch meine Sandalen eingepackt habe.

Unser erster Weg führt uns zum Bahnhof, wo wir - wie immer mit etwas Stress und Hilfe - unsere Bahntickets für die Weiterfahrt kaufen.

Ein Taxi bringt uns nun zum Honmaru-Palast. 

Der Originalbau stammte aus dem frühen 17. Jhd. Leider wurde er 1945 zerstört und 2009-2018 originalgetreu wieder aufgebaut. Dabei kamen ausschließlich traditionelle Materialien und Baumethoden zum Einsatz.

Im Inneren bekommt man einen guten Eindruck davon, wie es in einem Palast eines hochrangigen Samurai damals ausgesehen hat.

Wir sind begeistert, wie wunderschön und edel die Räume wirken. Die beweglichen Trennwände sind wunderbar bemalt. Die Blumen- und Tierbilder auf goldenem Hintergrund sind ganz fein und elegant gestaltet. 

Das Zusammenspiel von Holz, Tatami und den riesigen Malereien ist total stimmig.

Es ist gelungen, die Atmosphäre des ursprünglichen Palastes wieder herzustellen.

Nichts davon ist allerdings nur Dekoration. Es sollte der Status des Hausherren sichtbar gemacht werden.

Wir sind tief beeindruckt und machen einander immer wieder auf kunstvolle Details aufmerksam.

Auch der fünfgeschossige Hauptturm der Burg, der sogenannte Tenshu, wurde im Krieg zerstört. Er wurde bereits 1959 wieder errichtet- aus Stahlbeton.

Die Erdbebensicherheit ist nicht mehr gegeben, daher ist man gerade dabei, ihn abzureißen. 

Auch er soll originalgetreu aus Holz wieder aufgebaut werden. 

So lange können wir nicht warten, daher sind wir froh, dass wir ihn jetzt noch sehen können.

Oben auf den Dachfirsten der geschwundenen Dächer sitzen zum Schutz des Gebäudes glänzend goldene Fabelwesen- Tiger mit Fischleib.

Offenbar „funktionieren“ sie nicht;-)

Nach diesem echten Highlight bringt uns ein Taxi wieder zum Hotel, wo wir unsere Koffer abholen. 

Wir ziehen sie zum Bahnhof, unsere Reise geht weiter.

Unser heutiges Tagesziel ist HIKONE. Wir fahren mit typischen Pendlerzügen und müssen zweimal umsteigen. Der Blick aus dem Zugfenster bietet lange Zeit gar nichts Ansprechendes, ein mit hässlichen Häusern dicht verbautes Gebiet, das offenbar zum Einzugsgebiet von Nagoya gehört.

Es dauert lange, bis sich die Landschaft endlich öffnet.

Nach 86km Bahnfahrt checken wir ziemlich genau um 15h - wieder in einem Comfort Hotel - ein.

Hier sieht es ganz genauso aus wie in unserer Unterkunft in Tokio.

Sogar das WLAN samt Passwort ist dasselbe.

Es ist fast wie Heimkommen.

Wir richten uns ein und machen einen kleinen Spaziergang durch die ziemlich reizlose Gegend. 

Klaus sucht sich ein Lokal fürs Abendessen, während ich fleißig an meinem Reiseblog schreibe.

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Do, 8. Oktober

Wolkenloser Himmel, 19°

Beim Spaziergang zur Burg lernen wir ein ganz anderes HIKONE kennen.

Offenbar steht der Bahnhof und unser Hotel im „Glasscherbenviertel“ der Stadt.

Unterwegs kommen wir an einem kleinen, völlig untouristischen Shintō-Schrein vorbei, dem Umoregi-no-ya. In dieser, von einem Privatmann angelegten Gebetsstätte, bittet man um eine glückliche Geburt.

Die relativ kleine weiße Burg von Hikone stammt aus der Edo-Zeit. Tokugawa Ieyasu, der wichtigste Shōgun, ließ sie errichten, um die Daimyō, die regionalen Feudalherren, daran zu hindern, sich gegen das neue Shōgunat aufzulehnen. Sie liegt an der wichtigsten Straße von Edo in den Westen.

Wenn jemand gegen Edo marschiert wäre, hätte man das hier sicherlich bemerkt.

Wir durchschreiten mehrere Festungsgürtel, dabei geht es ziemlich steil bergauf.

Erfreulicherweise kann man sich für den Aufstieg einen Gehstock ausborgen. 

Ich nehme das gerne in Anspruch, und er leistet mir gute Dienste. Noch vor wenigen Wochen hätte ich diesen Weg unmöglich bewältigen können.

Hier steht noch der Originalbau aus dem frühen 17. Jhd. Offenbar hat er den Weltkrieg überstanden.

Für die Innenbesichtigung müssen wir wieder die Schuhe ausziehen, und es geht - wie im Matsumoto - über sehr steile Treppen hinauf. Hier müssen wir allerdings nur drei Stockwerke erklimmen, und es sind viel weniger Leute hier. So können wir uns in den Räumen mit den hölzernen Schiebetüren viel besser umsehen. 

Es gibt keine Matten und keine Bemalungen.

Von hier oben haben wir einen schönen Blick auf den großen Biwa-See.  Er ist allerdings zu weit weg, um noch hinzuwandern.

Wir spazieren lieber noch ein wenig durch den schönen, stimmungsvollen  Burg-Garten.

Über die Wasserläufe, auf denen Boote dahingleiten, führen hübsche Brücken.

Kleine strohgedeckte Häuser passen perfekt dazu.

Wir machen uns nun wieder auf den Weg zum Hotel und holen unsere Koffer.

Der Bahnhof ist ja gleich gegenüber.

Mit den Fahrkartenautomaten kennen wir uns mittlerweile recht gut aus.

Das haben wir gut getimt, unser Zug geht in ein paar Minuten.

Unser Waggon ist vollgestopft mit Schülern und Pendlern.

Wie gut, dass wir Sitzplätze ergattert haben.

Wir fahren den See entlang, 67km weiter nach Süden. Hier ist Japan übrigens sehr schmal.

Um 13 Uhr kommen wir in KYŌTO an. 

Der Fußmarsch zum Hotel dauert ca. eine Viertelstunde. 

Wie wir feststellen, gibt es offenbar auch in Kyōto eine Scramble Crossings, auf denen bei Grün Fußgänger aus mehreren Richtungen gleichzeitig die Straße überqueren. Es gibt auch Zebrastreifen, die diagonal quer über solche Kreuzungen führen.

Da gehen wir natürlich drüber.

Unser Zimmer im Hotel „Wander“ ist zu unserer Freude bereits bezugsfertig.

Wir richten uns ein, suchen nach Steckdosen und packen unsere Laptops aus.

Da wir für den berühmten Fushimi-Inari-Schrein das beste Fotolicht haben wollen, machen wir uns um 16h auf den Weg dorthin.

Wir leisten uns schon wieder ein Taxi. Das ist einfach der schnellste Weg, um von A nach B zu kommen.

Der Fushimi Inari Taisha ist der berühmteste Shintō-Schrein Japans. 

Er wurde 711 nach Chr. gegründet.

Gleich am Eingang begrüßen uns Statuen von Füchsen, die als Boten der Gottheit Inari gelten. Sie ist für Reisen und Wohlstand zuständig. Das passt ja genau.

Eine originelle Besonderheit sind mehr als 10.000 rote Torii, die über Jahrhunderte hinweg von Privatpersonen und Unternehmen gestiftet wurden, um für geschäftlichen Erfolg zu bitten. Die meisten stammen aus der Edo-Zeit, aber auch heute kommen immer noch welche dazu.

Die Namen und Daten der Stifter sind jeweils darauf angeführt.

Wie durch Säulenhallen wandert man über vier Kilometer durch einen Bambuswald bis zum Gipfel des Berges hinauf. Touristenkarawanen sind unterwegs.

Bis ganz hinauf steigen wir nicht. Wir müssen ja den ganzen Weg auch wieder runter. 

Was für ein tolles Training für meine Achillessehne!

Jetzt haben wir uns ein Abendessen verdient.

In einem netten Food Court klappern wir einen Stand nach dem anderen ab, bis einer der Köche bereit ist, uns etwas Vegetarisches zu zaubern.

Wir lassen uns überraschen. 

Als Vorspeise wird uns Gemüse-Sushi serviert. Der Hauptgang ist Sukiyaki, ein typisch japanischer Eintopf, der in einem flachen Topf auf einem Stövchen direkt am Tisch zubereitet wird. Bei uns sind allerlei Gemüse, Tofu und Glasnudeln drin.

Alles ist mit Sojasauce und anderen Gewürzen abgeschmeckt. Es mundet uns vorzüglich.

Klaus kann das dem Koch auch auf Japanisch mitteilen, was ihn sehr freut.

Für den Heimweg winken wir uns - das können wir jetzt schon - ein Taxi heran, und um ca. 19h sind wir wieder zu Hause, wo noch viel Arbeit mit Fotos und Text auf uns wartet.

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Fr, 9. Oktober

Ein neuer sonniger Tag. An das Meer von Sonnenschirmen in den Straßen haben wir uns mittlerweile gewöhnt.

Klaus plant für heute eine kleine Wanderung in einer Art „Heiligem Hain“ am Westabhang des Berges Kiyomizo, östlich der Stadt, in dem es viele Tempel gibt. 

Wir stellen uns vor, durchs Grüne zu spazieren.

Das war früher wohl einmal so. Aber heute ist das Ganze eine Touristenmeile mit jede Menge Geschäften und Lokalen in den - zugegeben sehr schönen - traditionellen Holzhäusern.

Die Tempel und Pagoden dienen vor allem als schöne Hintergründe für Instagram-Fotos für Frauen und auch einige Männer aller Couleurs in bunten Kimonos, die man hier in einschlägigen Läden kaufen oder leihen kann. 

Für einen Aufpreis gibt es den professionellen Fotografen gleich dazu.

Die „Fotomodelle“ stehen brav Schlange, bis ihr Shooting an der Reihe ist.

Wir schwimmen tapfer im Strom mit. In den Tempeln kann man ein bisschen zur Ruhe kommen.

Bei der Riesenstatue eines Bodhisattva können wir „Trost und Mitgefühl“ finden.

Diese Wesen streben ja nicht nur nach ihrer eigenen Erleuchtung, sondern wollen auch allen anderen Lebewesen auf deren Weg zur Befreiung von Leid helfen.

Sie tun dies in Mitgefühl, Weisheit und Selbstlosigkeit.

Knurrende Mägen führen uns In ein hübsches Restaurant, in dem wir uns eine köstliche Udon-Nudelsuppe mit gebratenem Tofu schmecken lassen.

Wir haben nun in jeder Hinsicht genug und fahren mit dem Taxi nach Hause.

Ein winziges Geschäft neben unserem Hotel verkauft - unter anderem - Obst. Bei solchen seltenen und teuren Köstlichkeiten greifen wir natürlich zu.

Eine Ruhepause im Hotel tut uns gut.

Wir haben ja schließlich heute auch noch ein Abendprogramm.

Um 16h brechen wir zu unserem Nachmittags- und Abendspaziergang auf.

Wir schlendern durch kleine Gässchen mit ganz normalen Wohnhäusern.

Kyōto macht auf uns einen angenehmeren Eindruck als Tokio.

Nun peilen wir den Bahnhof an. 

Der ist nämlich weit mehr als ein Ort, an dem Züge ankommen und abfahren. 

Er ist eines der beeindruckendsten modernen Gebäude der Stadt und ein Kontrast zu den Tempeln, Schreinen und traditionellen Holzhäusern, für die Kyōto berühmt ist.

Nachdem wir uns in seinem eleganten mehrstöckigen Warenhaus umgesehen haben,

klappern wir fürs Abendessen wieder einmal mehrere Restaurants ab, auf der Suche nach vegetarischem Essen. Schließlich landen wir in einer Osteria, in der es Pizza und anderes italienisches Essen gibt. In diesem Lokal wird übrigens nicht mit Stäbchen gegessen.

Hier verbringen wir die Zeit, bis die Sonne untergeht.

Dann eilen wir wie viele andere Touristen zur riesigen Freitreppe, auf der verschiedenfarbige Lämpchen aufleuchten, und die sich dadurch in eine Bühne aus Licht und Farben verwandelt. Bilder und bunte Muster entstehen. Das Ganze wird mit Musik begleitet.

Nachher fahren wir mit der Rolltreppe ganz hinauf bis zum hübschen Dachgarten mit Aussicht.

Der 131m hohe Kyōto​-Tower ist heftigst bunt angestrahlt. Er wurde 1964 anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Tokio errichtet.

Uns zieht es nach all der Hektik nach Hause in unser gemütliches Zimmer.​​​​

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Sa, 10. Oktober

Ein Taxi bringt uns zum Kaiserpalast.

Bei der Fahrt entlang des Kamogawa-Flusses entdecken wir viele hölzerne Stelzenhäuser. Am Abend sind sie beleuchtet.

Auch an einer richtigen Backsteinkirche mit Kreuz darauf kommen wir vorbei.

Bald taucht der Kyōto Gyoen auf, ein 65ha großer öffentlicher Park. 

Darin liegt das 11ha große Areal des Kaiserpalastes, Kyōto Gosho, eine weitläufige ummauerte Anlage, die wie eine ruhige historische Insel in der Stadt wirkt.

Hinter langen Lehmmauern liegen traditionelle Holzgebäude, Kieswege, Gärten, alte Bäume und Teiche.

Kyōto wurde im 8. Jhd. zur Hauptstadt Japans. Von 1230-1869 lag hier die Residenz des Tennō, also ca. 500 Jahre lang.

Diesen geschichtsträchtigen Ort wollen natürlich alle Touristen sehen. 

Dementsprechend lang ist die Schlange am Eingang. Der Eintritt ist kostenlos.

Langsam, aber stetig und sehr diszipliniert kommen wir voran.

Während des Wartens können wir beobachten, dass viele Japaner Handventilatoren fürs Gesicht benutzen. Sonnenschirme - auf der Innenseite schwarz, auf der Außenseite hell - Masken, lange aufgesteckte Ärmel und Hüte, die einen über den Hals hinunterreichen, sind uns ja mittlerweile vertraut.

Zu unserer Überraschung stammen die meisten Gebäude, die heute hier stehen, aus 1855, atmen aber einen viel älteren Geist.

Es wurde nämlich immer wieder um- und neu gebaut, denn oft wüteten zerstörerische Brände.

Der Besucherstrom wird mithilfe von Absperrbändern und Ordnern durch das Areal geleitet. Man kann sich nicht einfach frei bewegen. 

Von dem Augenblick an, an dem man sich draußen anstellt, geht alles ruhig, flüssig und geordnet vor sich. Niemand drängelt, obwohl Unmengen von Besuchern hier sind.

Wir kommen auch an mehreren prachtvollen Toranlagen vorbei, aber nur ein Eingang ist offen.

Drei Innenräume mit schönen schwarz-weiß bemalten Wänden kann man sehen. 

Das Tiger-, das Kranich- und das Kirschblütenzimmer waren die Warteräume für Besucher.

Gerade kommen wir zu einer Live-Darbietung zurecht. Zwei reich gewandete Stockkämpfer führen weniger einen Kampf als vielmehr einen wunderbar choreografierten Tanz auf. 

Der eigentliche Palast, der Shishinden, die Zeremonienhalle, besteht aus dunklem Holz und hat auch geschwungene Dächer. Das Hirnholz ist überall weiß gestrichen. Jeder Zentimeter ist sehr schön gestaltet.

Das Gebäude ist von einem sorgfältig geharkten weißen Kieshof umgeben.

Diese Kombination vermittelt viel von der traditionellen japanischen Vorstellung zeremonieller Schönheit.

Nach ca. einer Stunde verlassen wir das Areal wieder und spazieren noch durch Kyōto Gyoen, den Park, der es umgibt.

Früher befanden sich hier die Wohnhäuser und Anwesen zahlreicher Adelsfamilien.

Nach der Verlegung des Kaiserhofs nach Tokio verlor das Viertel seine Bedeutung.

Die Häuser verschwanden, und es entstand die öffentliche Grünanlage, die Grüne Lunge der Stadt.

Wir widmen uns jetzt einer ganz anderen Art von Kultur.

Wir suchen nämlich das Pokémon-Center auf.

Annas Buben sind nämlich Fans, und wir wollen ihnen T-Shirts mitbringen.

Menschenmassen, viele Regale voller Ramsch und dazu der Lärmpegel!

Wir hoffen, dass wir das Richtige gefunden haben und machen, dass wir so schnell wie möglich wieder wegkommen.

Unsere Mägen beginnen zu knurren, und wir beginnen mit unserer üblichen Lokaltour.

Wieder ernten wir überraschte Gesichter und völliges Unverständnis über unser Ansinnen, kein Fleisch und keinen Fisch zu essen.

Schließlich landen wir im „7-Eleven“-Laden gleich bei unserem Hotel.

Wir kennen diese Kette aus Amerika. In Japan hat sie fast an jeder Ecke eine Filiale.

Jede Menge in Plastik verpacktes Fertigessen gibt es hier. Die Verkäuferin schiebt unsere Nudelsuppe mit Gemüse in die Mikrowelle.

Wir verspeisen die Köstlichkeit in unserem Zimmer, und sie schmeckt total gut.

In unserem Hotel gibt es eine Waschmaschine samt Trockner.

Während wir uns ausruhen und uns unseren Computern widmen, lassen wir die Maschinen für uns arbeiten.

Nachdem wieder alles sauber und trocken ist, brechen wir zu unserem Abendspaziergang auf. Es ist 18h und bereits stockdunkel.

Ein „lauer Sommerabend“, an dem es schon so früh dunkel ist, wirkt für uns ungewohnt.

Wir schlendern durch schmale, wenig beleuchtete Gassen mit kleine Holzhäusern.

Eine sehr nette Wohngegend ist das hier.

Die Häuser sind in der ganzen Stadt nicht sehr hoch, nur ein bis zwei Stockwerke. Kyōto wirkt lang nicht so großstädtisch wie Tokio. 

Wo werden wir heute Abend essen? Immer wieder werden wir abgewiesen, bis wir schließlich in einem sehr hübschen französisch angehauchten Lokal am Fluss landen.

Der Wirt ist nett und flexibel. Er bemüht sich um uns und stellt uns mehrere kleine, köstliche Gemüsegerichte mit Couscous und verschiedenen Salaten zusammen. Wir teilen uns alles und sind hoch zufrieden.

Wieder einmal hat es sich gelohnt, nicht aufzugeben.

Am Wasser entlang spazieren wir nach Hause. Ein paar Lämpchen weisen uns den Weg-

wie romantisch.

 

So, 11. Oktober

Wir lassen uns heute in der Früh viel Zeit. Wir müssen nämlich erst um 11 Uhr auschecken, und zu unserem nächsten Ziel, NARA, ist es nicht sehr weit.

Auch heute erwarten uns wieder Sommertemperaturen von 27°.

In einem vollgestopften Pendelzug – sind das lauter Ausflügler? – schleichen wir die 40km dahin.

Zu unserem Henn-na Hotel müssen wir nur einige Minuten zu Fuß gehen.

Es ist kurz nach 12 Uhr, und die Rezeption ist bis 15h geschlossen.

Da fällt Klaus’ Blick auf ein Schild, das uns die Möglichkeit eines Early Check-in um kleines Geld anbietet. Da greifen wir zu.

Unser Ansprechpartner ist ein animierter Dinosaurier.

Wir genießen die Zeit zum Durchatmen in unserem Zimmer. 

Nach einer ausgedehnten Ruhepause machen wir uns zu einem Abendspaziergang auf.

Gleich ums Eck springt uns ein Schild ins Auge, das auf ein kleines Lokal hinweist, in dem vegane Speisen angeboten werden. Wir entscheiden uns für „Tantan-Ramen“, eine Sesam-Nudelsuppe mit Tofu- sehr gut, aber ziemlich scharf.

Dann flanieren wir durch eine Fußgängerzone/Shoppingmeile.

Hier fällt uns ganz besonders der Kontrast zwischen edlem Design und billigem Touristen-Ramsch auf.

Uns fallen würfelförmige Kakifrüchte auf. Natürlich kaufen wir eine.

Beim Recherchieren erfahren wir, dass dieses Obst - anders als andere quadratisch gezüchtete Früchte - von Natur aus so gewachsen ist. Der Geschmack ist jedenfalls sehr gut.

Dabei nähern wir uns dem Waldgebiet, das wir morgen besuchen werden.

Zu unserer Überraschung begegnen wir schon heute einigen Sika-Hirschen, die in der japanischen Shintō-Tradition als heilige Boten der Götter gelten. Als Souvenirs sind sie jedenfalls allgegenwärtig.

Morgen werden wir uns ihnen ausgiebiger widmen.

Auch an einem schönen Tempel in Abendbeleuchtung kommen wir vorbei.

Besonders berührend ist ein Kinderfriedhof für geborene und ungeborene Kinder.

Dabei steht eine kleine Steinfigur des Bodhisattva Jizō, des Beschützers der Kinder.

Die Figuren tragen rote Lätzchen und manchmal auch Mützen. Oft werden auch Windräder und kleines Spielzeug dazu gelegt. Es geht um Gedenken, Mitgefühl und Trost.

Ja, man betrauert auch die ungeborenen Kinder auf diese Weise. In Japan gibt es nämlich vergleichsweise viele Abtreibungen. Sie sind ein Teil der Familienplanung. Der Pille vertrauen viele Frauen nicht.

Übrigens nimmt die Bevölkerung in Japan seit Jahren ab.

 

Mo, 12. Oktober

Nachdem wir uns am Frühstücksbuffet gütlich getan haben, stimmen wir uns auf Kultur ein und machen uns auf den Weg.

Wir sind hier in der KINKI-REGION, einer Halbinsel, deren Zentrum die Präfektur NARA bildet- Japans Hauptstadt, bevor die Residenz nach Kyōto verlegt wurde.

Die Legende besagt, dass die Gottheit Takemikazuchi einst auf einem weißen Hirsch hierher kam, um die Stadt zu beschützen. Seither sind diese Tiere heilig. Man sieht sie einfach überall. Sie wirken sehr friedlich und gelassen.

Man kann Futter kaufen und wir beobachten immer wieder, wie sich die Japaner vor den Hirschen verbeugen, bevor sie sie füttern.

Im Nara-Park fügen wir uns nahtlos in das Bild der Menschenmassen ein, an die die Tiere offenbar gewöhnt sind. Große Geweihe gibt es keine zu sehen. Sie wurden aus Sicherheitsgründen angesägt.

Wir steigen hinauf zum Kasuga-Taisha.

Dieser Shintō-Schrein ist UNESCO-Weltkulturerbe. Er liegt eingebettet in einem uralten Wald, manche Bäume sind über 1000 Jahre alt.

Bekannt ist das Heiligtum vor allem für seine leuchtend roten Gebäude und tausende von bemoosten Stein- und Bronzelaternen. Die wurden über Jahrhunderte von Gläubigen gestiftet.

Bis heute finden hier täglich Rituale statt, und es werden jährlich über 2000 Feste und Zeremonien abgehalten.

Und die Hirsche sind allgegenwärtig.

Jetzt müssen wir noch zum Großen Buddha, dem Daibutsu.

Das Tōdai-ji, das riesige Gebäude, in dem diese gewaltige Bronzefigur sitzt, ist ganz aus Holz. Klaus bewundert die Konstruktion.

Auch Bodhisattvas und Wächterfiguren stehen hier. Damals, als Nara noch Hauptstadt war, sollten sie nach dem Wunsch des Kaisers dazu beitragen, das Land in einer Zeit voller Krisen zu schützen.

Sehr, sehr viele Menschen sind hier und noch zusätzlich mehrere Schulklassen in ihren unterschiedlichen Uniformen.

Der hiesige Kaiserpalast ist ja Gott sei Dank verfallen. Daher geht es jetzt endlich nach Hause. Ich humple nur mehr.

Nach einer Tasse Kaffee und etwas Schreibarbeit machen wir uns kurz vor 18h auf den Weg zum Abendessen. Italienisch soll es heute wieder sein- Salat, Pizza und Eis. Und das unter den Klängen von „o Sole mio“. Wir sind sehr zufrieden.

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Di, 13. Oktober

Wir schlafen lange. Heute haben wir es nicht eilig.

Das Auschecken geht klarerweise auch vollautomatisch vor sich. Man tippt den Namen ein und schiebt die Schlüsselkarten fürs Zimmer in den dafür vorgesehenen Schlitz. 

Wir müssen noch das Frühstück bezahlen. Das geht natürlich mit Kreditkarte.

Und schon sind wir wieder unterwegs.

Das Kaufen der Fahrkarten ist wie immer ein kleines Abenteuer, zumal wir zweimal umsteigen müssen. Eine Bahnbeamtin, die offenbar für solche „verlorene Seelen“ wie uns zuständig ist, hilft und erklärt und bringt uns sogar zum Bahnsteig.

Die Fahrt geht tatsächlich ein bisschen durchs Grüne- eine bewaldete, hügelige Landschaft. Bis jetzt sind wir fast immer durch total verhütteltes Gebiet gefahren. Japan ist ja ziemlich dicht besiedelt.

Ein Schaffner kommt, öffnet die Tür zum Abteil und verneigt sich. Dann erst checkt er die Fahrkarten- ohne Beanstandung übrigens. Beim Verlassen des Abteils dreht er sich nochmals um und verneigt sich wieder.

Gegen Mittag kommen wir in ISE-SHIMA an. Ca. 125km waren wir unterwegs.

Beim Durchgehen durch die Schranken stellt sich heraus, dass wir zu wenig gezahlt haben- trotz professioneller Anleitung. Die Erklärungsversuche in Japanisch und Englisch können wir nicht nachvollziehen, aber wir streiten nicht und zahlen.

Hier haben wir den südlichsten Punkt unserer Reise erreicht und befinden uns jetzt ein wenig südlicher als Kreta.

Zu unserer heutigen Unterkunft können wir zu Fuß gehen.

Es ist ein Ryokan, ein traditionelles Gästehaus. Wir sind schon gespannt, was uns dort erwartet.

Wir können unsere Koffer abstellen, aber mit dem Einchecken müssen wir uns noch bis 15h gedulden.

Eine hübsche Fußgängerzone lädt uns zum Flanieren ein. Hier entdecken wir auch ein nettes Café. Da wollen wir morgen frühstücken.

In einem schönen Park mit mächtigen Zedern verbringen wir unsere restliche Wartezeit.

Bis zum Schrein dringen wir allerdings nicht vor- wir haben schon so viele gesehen.

Wir beziehen schließlich unser Zimmer: Tatami-Matten, Futons, ein sehr niedriger Tisch.

Es gibt keine Sitzgelegenheit in Normalhöhe. Von einem Schreibtisch ganz zu schweigen.

Klaus lässt sich auf den Boden nieder, und ich setze mich auf eine Kommode mit einem Polster im Kreuz. Den Laptop halte ich beim Schreiben - wie der Name schon sagt - auf den Schoß.

Man muss sich nur zu helfen wissen.

Der Restaurant-Check am Abend verläuft zu 100%negativ. Keine Chance auf etwas Vegetarisches,

Da bleibt wieder einmal „7-Eleven“ als einzige Option.

Nun probiert Klaus noch den Onsen, das traditionelle Gemeinschaftsbad, aus- wenn er hier schon die Gelegenheit dazu hat.

Dann sitzen wir einträchtig nebeneinander auf der Kommode und lösen ein Um-die-Ecke-gedacht-Rätsel.

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Mi, 14. Oktober

Geschlafen haben wir nicht so gut. Es sind nämlich keine echten Futons, die da auf dem Boden liegen, sondern einfache Schaumstoffmatten.

Umso köstlicher ist das Frühstück, das wir in einem sehr hübschen "Café-Western Style“gegenüber dem Bahnhof genießen.

Der morgendliche Regen stört uns kaum.

Am frühen Nachmittag kommt die Sonne wieder heraus, und wir nehmen die Stichbahn ca. 7km nach FUTAMINOURA.

Nach einem kleinen Spaziergang am Pazifik erreichen wir Meoto Iwa, die „verheirateten Felsen“. 

Die beiden stehen im Wasser und sind durch ein 35m langes heiliges Seil verbunden. Sie sollen Liebe, Eheglück und harmonische Beziehungen symbolisieren.

Ich finde ja, dass sie ein sehr ungleiches Paar darstellen. Der eine Felsen - als Mann gedeutet - ist viel größer als der andere. Ob sie sich auf Augenhöhe begegnen können?

Wie lange diese Tradition schon besteht, können wir nicht herausfinden. Das Seil wird jedenfalls dreimal im Jahr im Rahmen einer Zeremonie erneuert.

Durch den kleinen Ort mit schönen, alten Holzhäusern und hässlichen neuen Gebäuden

wandern wir zurück zum Bahnhof.

Die Tickets nach Hause müssen wir diesmal im Zug kaufen.

Heute haben wir nicht mehr viel vor – Ausruhen, Bildschirmarbeit, Baden, Abendessen.

Die nette Dame in der Touristen-Information hat uns einige Optionen für vegetarisches Essen genannt. Also ziehen wir um ca. 18h frohgemut los.

Wir essen köstlich, allerdings schon wieder italienisch.

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Do, 15. Oktober

Wegen des großen Erfolgs frühstücken wir wieder in unserem „Stammcafé“ und lösen ein weiteres Um-die-Ecke-gedacht-Rätsel.

Nun wird es Zeit, uns von der netten kleinen Stadt und unserem - eher ungemütlichen - Ryokan zu verabschieden.

Auf dem Bahnhof erkennt uns die freundliche Angestellte von der Touristen-Information, die uns gestern so gut kulinarisch beraten hat, sofort wieder und hilft uns, die richtigen Tickets für den „Limited Express“- so heißt hier der Schnellzug - nach NAGOYA zu besorgen.

Wir müssen nicht lange auf ihn warten. Für die 107km sind wir ca. eineinhalb Stunden unterwegs. Die Stadt ist uns von unserem letzten Besuch schon ein wenig vertraut.

Wir wohnen in einem anderen Hotel als letztes Mal, aber im Comfort Hotel fühlen wir uns gleich wie daheim. Die Häuser dieser Kette sind alle sehr ähnlich eingerichtet. Unsere Geräte verbinden sich sofort mit dem WLAN.

Wir müssen noch ca. eine Stunde warten, bis wir einchecken können.

Die Zeit verbringen wir im Co-Working-Space, der auch als Frühstücksraum dient. 

Das kennen wir auch schon. 

Ich genieße es sehr, beim Schreiben an einem echten Schreibtisch und auf einem echten Sessel sitzen zu können.

Als wir uns um 15 Uhr darauf freuen, unser Zimmer zu beziehen, scheint unsere Reservierung im System offenbar nicht auf. Nach einigem Gewusel ohne Erklärung werden wir doch eingecheckt.

Zuerst fällt uns auf, dass nur ein Polster da ist. Es gibt auch nur ein Handtuch, und auch alle anderen Kleinigkeiten sind nur einmal da. Offenbar haben sie uns ein Einzelzimmer zugewiesen. Kein Problem, auf Anfrage bekommen wir alles nachgeliefert.

Oasis 21 scheint uns, interessant zu sein. Wir lassen uns von einem Taxi hinbringen.

Das sogenannte Spaceship Aqua scheint ungefähr 14m über dem Boden zu schweben.

Auf dem Dach befindet sich eine dünne Wasserschicht, um die man auf einem Glasboden herumgehen kann. Von unten sieht das so aus, als würden da oben Riesenameisen umherlaufen, weil man nur die Schuhsohlen sehen kann.

Im Untergeschoss gibt es viele Restaurants und Geschäfte. Auf der mittleren Ebene befinden sich Grünflächen.

Gleich daneben steht der 180 m hohe Mirai Tower, der Fernsehturm von Nagoya.

Wir sind wieder einmal auf der Suche nach einem vegetarischen Abendessen.

Mittlerweile sind wir schon daran gewöhnt, dass wir Unverständnis ernten.

In einem chinesischen Lokal sind wir schließlich erfolgreich. Wir bestellen alle fleisch- und fischlosen Gerichte, die wir auf der Speisekarte finden – viele sind es nicht – und teilen alles.

Inzwischen ist es dunkel geworden und die futuristisch wirkende Sehenswürdigkeit erstrahlt in vielen Farben in ihrem Neonglanz. Natürlich fahren auch wir mit dem Aufzug aufs riesige ovale Glasdach. 

Zu Hause warten die Laptops auf uns, also rufen wir und wieder ein Taxi.

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Fr, 16. Oktober

Wir genießen das Frühstücksbuffet, checken um 10h aus und machen uns auf den Weg zum Bahnhof.

Wie fast jeden Tag finden wir es total angenehm, dass man sich in Japan darauf verlassen kann, dass die Züge immer superpünktlich sind.

Mit dem Shinkansen fahren wir ca. 240km nach Osten, nach ODAWARA. Die Fahrt dauert ca. 1 ½ Std.

Wenn man im Zug drinnen sitzt, fällt einem gar nicht auf, wie schnell man unterwegs ist.

Ein Blick aus dem Fenster beschert uns den ersten kurzen Blick auf den Fujiyama.

Außerdem fahren wir durch eine grüne Berglandschaft.

Wir sind noch lange nicht an Ort und Stelle. 

Zusammen mit vielen anderen Touristen reisen wir mit einer Lokalbahn ca. 6km weiter nach HAKONE-YUMOTO. Die Berge um uns herum sind üppig bewaldet – Klaus nennt das „tropisch“.

Wir bekommen plötzlich beide eine Erdbebenfrühwarnung aufs Handy. Niemand rührt ein Ohrwaschel. Nichts passiert. Ich befrage die KI und erfahre erleichtert, dass es ein Fehlalarm war. Ich erfahre auch, dass die Japaner solche Meldungen gewohnt sind und daher cool bleiben.

Ich war kurz schon etwas beunruhigt.

Und dann schraubt sich der Autobus in Serpentinen weitere 16km bergauf bis nach MOTOHAKONE. 

O weh, mein armer Magen! Mir wird furchtbar übel. Immerhin verschafft mir Klaus einen Sitzplatz, indem er einen jungen Mann bittet, aufzustehen.

Nach dem Aussteigen brauche ich eine Weile, bis es mir besser geht und ich die hübsche Gegend am Ashi-See wahrnehmen kann. Es ist direkt idyllisch hier oben, auf 725 m Höhe.

Unser heutiges Guesthouse sieht nett aus. Es ist das ziemlich kleine „Mirahakone Lakeside Inn“. 

Das Einchecken geht wieder vollautomatisch. Im Vorfeld haben wir unsere Zimmernummer und einen Code erfahren. Den tippen wir pünktlich um 16 Uhr ein, und die Zimmertür öffnet sich erfreulicherweise tatsächlich.

Recht gemütlich ist es hier. Schreibtisch gibt es zwar keinen, aber immerhin ein Sofa mit normaler Sitzhöhe. So wird das MacBook eben wieder zum „Lap-top“.

Als Betten liegen Federkernmatratzen auf dem Boden, und daran wurden Futons ausgebreitet- auch eine originelle Variante.

Wir haben jetzt wieder unsere übliche Wirtshaustour vor uns. Und wieder werden wir fündig. Wir bekommen Nudeln und Tempura. Bei diesem typisch japanischen Gericht wird Gemüse, Fleisch oder Fisch in eine dünne Teigschicht getaucht, mit grobem Pankomehl umhüllt und frittiert. Nach Verhandlungen mit einem hilfsbereiten Wirt bekommen wir ausschließlich Gemüsestangerln, obwohl er kaum verstehen kann, dass wir auf die Shrimps verzichten wollen.

Wir sind hier zwar – wenig überraschend – in einer ausgesprochen touristischen Gegend.

Trotzdem werden um 18 Uhr alle Läden und Lokale dicht gemacht.

Nach unserem Gefühl ist es tatsächlich bereits später Abend. Auf unserem Heimweg ist es bereits stockdunkel.

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Sa, 17. Oktober

Fürs Frühstück kaufen wir uns wieder einmal Joghurt und Nüsse beim „7-Eleven“.

Wir haben ja gelesen, dass Japan das allermeiste Plastik produziert. 

Das glauben wir sofort. Einfach alles ist in Plastik verpackt- jedes einzelne Obststück, jede Serviette und noch vieles mehr.

Nun treten wir unsere heutige Rundreise von ca. 30km an.

Zuerst geht es mit einem Ausflugsschiff über den See.

Neben uns sticht gerade mit lautem Hupen und publikumswirksamem Spritzen der „Waterspider“ in See. So ein Amphibienbus kann sowohl an Land als auch im Wasser fahren.

Ein roter Torii steht im Wasser. Das ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern markiert einen heiligen Ort. Es ist ein Teil des Hakone-Schreins und wird seit 1952 Tor des Friedens genannt- als Dank für die Wiedererlangung der japanischen Souveränität.

Der Legende nach wurde an dieser Stelle ein neunköpfiger Drache, der im See gelebt hat, durch dreitägiges Beten eines Mönchs bezwungen.

Wir können auch wieder zum Berg Fuji hinüberschauen. Er steht leider im Dunst und hat auch seine typische Schneehaube nicht-Klimawandel?

Klaus wird sicher ein tolles Foto zaubern.

Nachdem wir von Bord gegangen sind, spazieren wir zur Talstation der Seilbahn.

Von der Gondel aus genießen wir die Aussicht- der Fuji lässt sich aber leider nicht mehr blicken.

Besonders interessant sind die heftigen vulkanischen Schwefeldämpfe und die gelben Ablagerungen.

Und es riecht wie in Oberlaa;-)

Früher wurde hier Schwefel gewonnen. Man kann die Terrassen, die dafür angelegt wurden, noch sehen- nicht sehr attraktiv. Heute wird die vulkanische Wärme und das heiße Quellwasser für Thermalbäder genutzt.

Oben angekommen, nehmen wir gleich noch eine Gondel und anschließend eine Standseilbahn, die uns bergab nach GŌRA bringt, zu einem Skulpturenpark, dem „Hakone Open Air Museum“. 

Diese schöne Anlage entstand 1969. Auf 70.000 m2 sind 120 Werke ausgestellt.

Besonders farbenprächtig ist der Symphonic Sculpture Tower, ein begehbares Kunstwerk aus buntem Glas.

In Erinnerung geblieben sind mir die großen, organisch geformten Figuren von Henry Moore, die farbenfrohe „Black Power Woman“ von Niki de Saint Phalle und „Die Weinende“, ein weiblicher Kopf, der Teil einer Brunnenanlage ist. Das Wasser rinnt ihr übers Gesicht. Die „Frisur“ besteht aus Pflanzen.

Sie berührt mich. Das Gesicht bleibt steinern und traurig, aber aus ihrem Kopf sprießt neues Leben.

Natürlich interessiert uns der Picasso-Pavillon besonders. Mehr als 300 seiner Werke sind hier ausgestellt- Zeichnungen, Gemälde, Drucke und Keramiken.

Originell ist das Fußbad im heißen Quellwasser am Ende des Rundgangs.

Für unsere heutige letzte Etappe nehmen wir den Bus, der uns wieder nach Hause bringt.

Nach diesem anstrengenden Tag erwarten uns Bildschirm und Coach.

Klaus geht Abendessen- mit mäßigem Erfolg. Da habe ich durch mein Fasten heute nichts versäumt.

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So, 18. Oktober

Wir haben wieder viel Zeit, also gehen wir nach dem Auschecken um 9h30 in die „Bakery-Table“ frühstücken. Das Lokal ist total nett mit sehr hübschem Seeblick. Das Gebäck ist köstlich, und ich bekomme sogar Sojamilch in meinen Cafélatte.

Viele Touristen haben dieselbe Idee wie wir, daher müssen wir uns anstellen und warten, bis ein Tisch frei wird.

Rechtzeitig sind wir beim Autobus und ergattern Sitzplätze ganz vorne.

Klaus zeigt auf ein japanisches Schild auf der anderen Straßenseite. „Das heißt Medikamente“, erklärt er. „Das Vokabel brauche ich, wenn ich erklären muss, dass ich meine Spritzen kühlen muss.“

Ganz beiläufig frage ich: „Du hast dein Zeug eh aus dem Kühlschrank genommen.“

„Nein, das hab’ ich vergessen.“ 

Unmittelbar bevor sich der Bus in Bewegung setzt, springen wir samt Koffern raus- vor den staunenden Augen eines begeisterten Publikums, wie so oft. 

Wir eilen zurück zu unserem Quartier. 

Wir haben nur eine Chance, in dieses vollautomatische Haus reinzukommen, wenn die Putzkolonne noch da ist. Wir haben Glück.

Der nächste Bus fährt in einer Stunde.

Wie schön, wir sitzen gemütlich auf einer Bank in der Sonne und blinzeln auf den See hinaus.

Während der 21km-langen Fahrt nach MISHIMA, macht Klaus schöne Fotos vom 3776m hohen Fuji-san, wie der heilige Berg hier genannt wird. Der perfekte Vulkankegel scheint in den Wolken zu schweben. Im Jahre 1707 ist er zuletzt ausgebrochen.

Auf jedem Plakat und auf jedem Prospekt ist er mit Schneehaube abgebildet. Ich habe ja schon erwähnt, dass er sie leider momentan nicht hat. Dafür müssten wir im Winter wiederkommen.

Nach ca. einer Stunde erreichen wir den Bahnhof und wollen mit dem Zug weiter nach Norden, nach GOTEMBA fahren- ca. 30km.

Mehrmals werden wir in die Irre geführt, und einmal müssen wir umsteigen.

Als wir endlich dort landen, fragen wir ganz ohne Eile bei mehreren Schaltern nach, wie wir von hier am besten zu unserem Tagesziel nach KAWAGUCHI-KO kommen könnten.

In einer Minute fährt ein Expressbus ab, der genau in diesem kleinen Ort am gleichnamigen See seine Endstation hat. So ein Glück, dass wir ihn erwischt haben. 

Das ist perfekt. Die letzten 30km legen wir also flott in 50Min. zurück.

Eine Viertelstunde müssen wir jetzt noch zu Fuß zu unserem Hotel gehen. Dann haben wir es wirklich geschafft. „Shiki-no-Yado Fujisan“ heißt unser Hotel, das uns ein „normales“ Zimmer mit Schreibtisch und allem drum und dran bietet.

Es ist auf charmante Art altmodisch. Wir bekommen sogar einen Zimmerschlüssel.

Zugängliche Steckdosen können wir uns nur verschaffen, indem wir den Fernseher und die Stehlampe abstecken. Wie immer finden wir uns zurecht und richten uns gut ein.

Was fehlt uns heute noch zu unserem Glück- ein Abendessen.

Auf dem Fußweg hierher haben wir ein veganes Restaurant entdeckt. Das peilen wir nun an. Wir speisen köstlich, nachdem wir den komplizierten Bestellvorgang mittels QR-Code mithilfe mehrerer Kellnerinnen und einer deutschen Touristin geknackt haben- Klaus nennt es treffend das „Kundenabwehrsystem“.

Der Heimweg im Dunklen ist sehr romantisch. Im See spiegeln sich unzählige Lichter.

 

Mo, 19. Oktober

Wir frühstücken in der französischen Bäckerei „Le pain de Daniel“. Hier gibt es tatsächlich französisches Gebäck und sogar dunkles Brot. Der Duft ist betörend.

Durch ein Fenster kann man in die Backstube hineinschauen, und Edith Piaf singt im Hintergrund.

Nach kurzem Faulenzen im Hotel brechen wir zu einem Spaziergang auf.

Wir wollen auf die „magische Brücke“, die eine ganz normale Straßenbrücke ist.

Von hier aus soll man eine tolle Spiegelung des Bergs Fuji sehen.

Der Kawaguchi-ko ist einer der schönsten und bekanntesten Seen Japans und einer der fünf Fuji-Seen, die rund um den Vulkan liegen.

Wir haben einen wunderbaren Blick auf den perfekt geformten Kegel, der sich heute mit einem fotogenen Wolkenhäubchen am Gipfel zeigt.

Leider kräuselt sich die Wasseroberfläche im Wind. Also spiegelt sich leider gar nix.

Da wir nun schon auf der anderen Seite des Sees angekommen sind, umrunden wir ihn nun auf unserem Heimweg zur Hälfte.

Weil wir gerade unterwegs sind, fällt uns wieder einmal das Lieblingsauto der Japaner auf. Wir bekommen es ständig zu sehen. Es handelt sich um einen sehr kompakten Minikombi - z.B. die Honda N-Box - die wirklich wie eine eckige Kiste aussieht. In der Werbung werden diese „Kei-Cars“ als die „kleinen Riesen aus Japan“ bezeichnet- klein wie ein Stadtauto, aber erstaunlich geräumig im Inneren. Sie sehen wie winzige Vans aus.

In Europa haben wir solche Fahrzeuge noch nie gesehen.

Nach diesem Fußmarsch von 1 ½ Stunden ist nun wieder Erholung angesagt.

An vielen Stellen im Ort und auch in unserem Hotel wird Onsen angeboten. Das Bad im Fuji-Thermalwasser lässt sich Klaus nicht entgehen.

Im indischen Restaurant in unserer Nähe gibt es köstliches veganes Essen.

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Di, 20. Oktober

Um 10h checken wir aus. Und, weil’s so schön war, gehen wir nochmals zum Daniel frühstücken.

Der Fuji-san hüllt sich zum Abschied in Wolken.

Wir ziehen unsere Koffer zum Bahnhof und fragen nach der günstigsten Verbindung nach Tokio. Der nächste Zug mit freien Sitzplätzen fährt in 4 Stunden. Aber in drei Minuten startet ein Expressbus in die Hauptstadt. Schon wieder haben wir Glück gehabt.

Zwei Stunden brauchen wir für die 100km. Der Bus fährt auf der Autobahn und hält nur an wenigen Stationen.

Um 13h kommen wir in TOKIO bei der Shinjuku Station an.

Klaus hat die ein bisschen „verrückte“ Idee, zu unserem Hotel zu Fuß zu gehen.

Also marschieren wir los und ziehen unsere Koffer hinter uns her.

Einerseits ist es ein Training für mein armes Bein - es hält brav durch - und andererseits nehmen wir auf diese Weise diese riesige Stadt viel unmittelbarer wahr. Und zum Einchecken ist es ohnehin noch viel zu früh.

Unser Weg führt uns auch durch den großen Shinjuku National Garden, einen der schönsten Gärten Tokios, eine grüne Oase, in der man die Großstadt vergisst. 

Hier gibt es einen traditionellen japanischen Landschaftsgarten mit Brücken und Teichen, einen französischen Park mit gestutzten Hecken und einen englischen Garten.

Die Rosen blühen auch jetzt im Oktober noch prachtvoll in allen Farben. Dafür haben wir gerne ein wenig Eintritt bezahlt.

Nach zwei Stunden Fußmarsch kommen wir verschwitzt und müde in unserem Henn-na Hotel an.

Wir kennen diese Kette bereits aus Nara. Das WLAN verbindet sich sofort.

Dort hat uns ein Dinosaurier beim Einchecken geholfen. Hier erwarten uns humanoide Roboter als Rezeptionisten.

Wenn man die Lobby betritt, fällt es nicht sofort auf, dass sie nicht echt sind. 

Ihnen aber dann direkt gegenüberzustehen ist wirklich ein bisschen creepy, weil sie so echt aussehen. Sie verneigen sich, bewegen die Augen, den Kopf und die Lippen und sprechen in verschiedenen Sprachen.

Das Ganze ist eher ein Gag. Man braucht sie nämlich gar nicht, denn das Einchecken an einer Maschine ist uns ja mittlerweile ohnehin vertraut.

Und wenn etwas nicht klappt, hebt man einen Hörer ab, und es kommt ein echter Mensch.

Wir richten uns in unserem Zimmer ein, ruhen ein wenig aus und trinken Kaffee.

Wo essen wir heute zu Abend? Wir lassen uns auf keine Experimente ein und entscheiden uns für die Pizzeria Palermo- eine gute Wahl.

Die Straße, in der wir wohnen, ist besonders abends mit all den Lichtern sehr hübsch.

 

Mi, 21. Oktober

Im Irish Pub nebenan gibt es ein Frühstücksbuffet.

Nun geben wir der Tokioter U-Bahn noch eine Chance. Mittlerweile sind wir ja schon viel gewiefter, was Ticket-Maschinen angeht. Es funktioniert einwandfrei.

Wir steigen bei den Azabudai Hills aus, der „grünen Zukunft Tokios“.

Es ist ein eigenes Stadtquartier, das 2023 eröffnet wurde.

Hier gibt es Restaurants, Wohnungen, Büros, Geschäfte, Kulturangebote und viel Grün.

Wir wollen uns heute vor allem im Stadtteil Roppongi herumtreiben- Tokios kosmopolitischem Viertel mit vielen sehr originellen modernen Hochhäusern.

Hier gibt es internationale Kunst und Kultur, edle Geschäfte, gehobene Restaurants und schicke Bars.

Der Name bedeutet übrigens wörtlich „Sechs Bäume“. Es gibt eindeutig mehr als sechs. Uns gefallen die vielen Parkanlagen und Dachgärten sehr gut.

Auf manche - total begrünte - Gebäude kann man außen mit einer Rolltreppe hinauf aufs Dach fahren.

Uns zieht es zum National Art Center. Schon das Gebäude ist sehenswert. Die geschwungene Glasfassade wirkt wie eine Welle.

Weil wir schon über 70 Jahre alt sind, dürfen wir gratis rein.

Die japanische Künstlervereinigung NIKI stellt gerade aus. Wir bekommen sehr interessante und originelle Werke zu sehen. 

Die aktuelle Sonderausstellung widmet sich der europäischen Renaissance und zeigt ausgewählte Werke aus dem Louvre. Dafür müssen allerdings auch wir Oldies zahlen.

Total wuselig ist es hier. Man hat kaum eine Chance, an die Bilder heranzukommen.

Wir gehen weiter zum nächsten Museum.

Das Suntory Museum of Art liegt im dritten Stock eines Hochhauses.

Hier kann man sich der traditionellen japanischen Ästhetik annähern.

Wir sehen vor allem Schriftrollen mit Kalligraphie, einige schöne Zeichnungen und Keramik für die Teekultur.

Hier sind wir die einzigen Ausländer. Es war auch alles ausschließlich auf Japanisch angeschrieben.

Es ist jetzt 14h, und wir wollen zu einer Erholungspause nach Hause. Dahin haben wir allerdings wieder einen ordentlichen Fußmarsch vor uns.

Was uns heute in vielen Einkaufstempeln aufgefallen ist- Weihnachtsdekoration, komplett mit Schnee. Das erscheint uns sehr schräg.

Einerseits, weil wir bei 29° schwitzen. Andererseits, weil Japan ja überhaupt kein christliches Land ist. Da wird wohl eher amerikanischer Kommerz gefeiert.

Für 18h haben wir einen Time-Slot im Museum teamLab Borderless gebucht-schon wieder ein Fußmarsch. Der hat sich aber gelohnt. 

Hier tauchen wir in die faszinierende Welt der digitalen Kunst ein. Statt Bilder an einer Wand zu betrachten, bewegen wir uns durch riesige, leuchtende Kunstwelten. Licht, Projektionen, Spiegel, Klang und interaktive Technologie werden zu Kunstwerken, die aufeinander reagieren.

Heute waren wir schon wieder stundenlang zu Fuß unterwegs. Jetzt wollen wir einfach nicht mehr und leisten uns ein Taxi.

Klaus gönnt sich noch ein kleines Abendessen in unserem hauseigenen Pub, während ich mich gleich an den Computer setze.

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Do, 22. Oktober

Um 11 Uhr checken wir aus und lassen unsere Koffer im Hotel.

Unsere letzte kulturelle Unternehmung in Japan ist der Besuch des Sumida-Hokusai-Museums.

Auch das ultramoderne, preisgekrönte Gebäude selbst ist sehenswert.

Die Aluminiumpaneele an der Außenseite spiegeln Himmel, Bäume und Häuser. Dadurch verändert sich das Aussehen ständig, je nach Blickwinkel und Licht.

Katsushika Hokusai lebte von 1760 bis 1849 in Edo – heute Tokio – noch vor der Westöffnung. 

Der geniale Maler und Holzschnittkünstler wurde im Stadtteil Sumida am Fluss geboren und verbrachte einen Großteil seines Lebens hier.

Er zählt zu den ganz Großen der Kunstgeschichte.

Seine Bilder zeigen das alltägliche Leben in Japan, die Schönheit der Natur und die Kraft des Meeres.

Bis ins hohe Alter experimentierte er und erfand sich immer wieder neu. Und er war unglaublich produktiv.

Sein berühmtestes Bild, der Holzschnitt „Die große Welle vor Kanagawa“ von 1831 kennt man auf der ganzen Welt von unzähligen Merchandise-Artikeln bekannt.

Ich freue mich sehr, hier vor dem Original zu stehen. Ich hätte es mir übrigens größer vorgestellt.

Auf dem Weg zurück ins Hotel spüren wir ganz deutlich, dass es Zeit ist, wieder nach Hause zu kommen.

Wir holen unser Gepäck und machen uns mit der U-Bahn auf den Weg zum Flughafen.

„Vollautomatisches“ Einchecken und Kofferaufgabe funktionieren wieder nur mit Hilfe von Personal. Wir sind froh, dass wir Sitze nebeneinander haben werden.

Hier in Haneda kann man es gut einige Stunden aushalten. Unser Flug geht nämlich erst spät am Abend.

Besonders Starbucks bietet neben köstlichem Kaffee Arbeitstische mit Steckdosen.

Die Atmosphäre hier erinnert mich ein wenig an einen Uni-Lesesaal.

Von zu Hause haben wir die Information, dass es in Wien ziemlich kalt ist.

Hier sind wir nach wie vor im T-Shirt unterwegs.

Um 22h45 heben wir ab. 14 Stunden werden wir nach Wien unterwegs sein, das ca. 13.000km weit weg ist.

Erfreulicherweise können wir diesmal im Flugzeug recht gut schlafen.

 

Fr, 23. Oktober

Kurz nach 6 Uhr früh landen wir wohlbehalten in Wien-Schwechat. Auch das Gepäck rollt vollständig und unversehrt vom Band.

Als wir ins Freie treten, spüren wir sofort, dass es hier um ca. 10° kälter ist als in Japan.

Ein Taxi bringt uns nach Hause.

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