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2026 Unsere Balkanroute

 

So, 19. April

Am Vormittag machen wir nach einem gemütlichen Frühstück unser Um-die-Ecke-gedacht Rätsel.

Dazu passt der „Abschiedskuchen“, den uns unsere Nachbarin Heike vorbeibringt, ganz ausgezeichnet.

Die letzten Kisten und Säcke müssen noch im WoMo verstaut werden, während Klaus unserer Reiseroute den letzten Schliff erteilt.

Erst um 17h fahren wir los. Wir haben es nicht weit.

Unser erstes Tagesziel ist nämlich FISCHAMEND, wo wir Klaus’ Tochter Maria und ihre Familie besuchen.

Wir schlafen im WoMo vor ihrem Haus.

37 km

 

Mo, 20. April

Wir haben in unserer ersten Reisenacht gut geschlafen.

Unser Weg führt uns zunächst in den Supermarkt. Jetzt haben wir aber wirklich genug Vorräte mit.

Nun geht’s über die windige PARNDORFER PLATTE mit dem riesigen Windpark  ins sonnige BURGENLAND, und reisen bald darauf nach UNGARN ein.

In GYÖR machen wir unsere Frühstückspause.

Erfreulicherweise entdecken wir hier einen Intersport, wo Klaus einen Fahrradhelm kaufen kann. Sein eigener hat beim Checken der Packliste nicht „hier“ geschrien und ist daher zu Hause geblieben. 

Unser Tagesziel ist SZÉKESFEHÉRVÁR bei einem großen Park mit Teich. Offenbar ist das ein Naherholungsgebiet.

Wir verbringen einen gemütlichen Abend und übernachten auch hier.

Besichtigung bietet sich uns keine an. Der Ort besteht fast ausschließlich aus Plattenbauten.

194 km

 

Di, 21. April

Heute haben wir lange ausgeschlafen.

Weiter geht es nach Südosten Richtung Szeged- Gulasch werden wir dort keines essen.

Gerade haben wir das erste Storchennest auf unserer Reise gesehen.

Unsere Frühstückspause verbringen wir in KECSKEMÉT. Das idyllische Plätzchen am Waldrand nutzen wir für ausgiebige Putzarbeiten. In der Winterruhe hat unser Häuschen ganz schön Dreck angesetzt.

Nun kann es weitergehen.

Wir überqueren die sehr breite Donau und verabschieden uns gleichzeitig von ihr. Wir werden sie erst wieder am Eisernen Tor treffen.

Wir rumpeln auf ziemlich schlechten Straßen dahin, und die Fahrerei ist recht anstrengend für Klaus.

Wir sind jetzt in der PUSZTA, dem westlichsten Ausläufer der eurasischen Steppe.

Sofort tauchen in meinem Hirn Bilder der typischen Klischees dieser Landschaft auf und „Ich denke oft an Piroschka“.

Unseren Schlafplatz finden wir ein Stückchen weiter östlich von SZEGED, in FERENCZÁLLÁS, am Waldrand bei einem Fluss.

Klaus holt seinen neuen Skizzenblock hervor und zaubert in kürzester Zeit eine wunderschöne Bleistiftzeichnung. Ich bin schwer beeindruckt.

239 km

 

Mi, 22. April

Wir hatten eine sternklare Nacht und haben auf diesem wunderbaren Platz sehr gut und lange geschlafen.

Als erstes peilen wir eine Wasserstelle an, die uns unser Park4Night-App anzeigt.

Wir füllen unseren Wassertank, und ich wasche mir bei der Gelegenheit die Haare.

Dieses Procedere hat sich schon auf früheren Reisen bewährt. 

Nun gleiten wir auf Straßen mit sehr wenig Verkehr dahin. Ganz bewusst haben wir uns gegen eine Autobahnvignette entschieden.

Um 10h30 überschreiten wir die Grenze nach RUMÄNIEN.

Sofort fällt uns auf, dass die Straßen wesentlich besser sind als in Ungarn. 

Die jahrelange Korruption scheint das Land wirklich kaputt gemacht zu haben.

Auch mit den Aufschriften können wir plötzlich etwas anfangen. Die romanische Sprache ist uns vertrauter.

Unsere Uhren haben sich automatisch auf osteuropäische Zeit umgestellt. Jetzt ist es also um eine Stunde später.

ARAD scheint uns gar nicht interessant. Mehr als eine Sitzbesichtigung ist nicht drin. Hässliche Plattenbauten beherrschen das Stadtbild.

Auch die Reste der Festung lohnen keinen Drohnenflug.

Bei der Weiterfahrt fallen uns viele Haus- und Fabriksruinen auf. 

Zugleich schießen überall moderne Einkaufszentren in die Höhe. Die Markennamen sind uns alle sehr vertraut.

Die rumänisch-orthodoxen Kirchen mit ihren runden Kuppeln zeigen uns allerdings, dass wir bereits tief in Osteuropa sind.

Wir sind jetzt in der historischen Region BANAT, die sich bis Temeswar hinzieht.

Vor ca. 300 Jahren haben sich hier Deutsche angesiedelt, die sogenannten Donauschwaben. Sie stellten bis zum 2. Weltkrieg die größte ethnische Gruppe der Region.

TEMESWAR war europäische Kulturhauptstadt 2023, erscheint aber trotzdem ziemlich heruntergekommen.

Das Gebäude, in dem das Österreichische Konsulat untergebracht ist, wirkt richtig abgewrackt.

Allein der frisch renovierte barocke Hauptplatz mit der Dreifaltigkeitssäule ist schön und lohnt einen kleinen Spaziergang. Schließlich wird das Ensemble auch manchmal als „Klein-Wien“ bezeichnet.

Auch auf das vielgepriesene Jugendstil-Hotel werfen wir einen Blick.

Ein Stückchen weiter südlich finden wir unseren Schlafplatz in einer Wiese an einem Fluss. Der kleine Ort heißt ȘAG.

Unser schlaues App ist wirklich unverzichtbar.

171 km

​

Do, 23. April

Heute war es in der Nacht sehr kalt, und in der Früh hat es 5°. 

Wieder einmal gut, dass wir unser Himalaya-erprobtes Gewand mithaben.

Kurz vor 10h fahren wir los, weiter nach Süden Richtung Eisernes Tor.

Wir sind schon ziemlich nah an der serbischen Grenze und immer wieder warnen Schilder am Straßenrand vor unbeabsichtigtem Roaming. Wir schalten vorsichtshalber die  Mobilen Daten aus.

Wir überqueren einen Gebirgszug, der zu den Ausläufern der Mittleren Karpaten gehört.

Und plötzlich taucht die Donau vor uns auf. Riesig breit, wie ein See liegt sie vor uns.

Hier ist sie mehrere Kilometer breit und wird dann beim Eisernen Tor auf ca. 350 bis 120 Meter verengt.

Auf 130 km bahnt sie sich ihren Weg durch teils steil aufragende Felswände hindurch.

Über Jahrhunderte hindurch war das eine gefürchtete Schiffspassage.

Erst im 19. Jhd. entstand drüben, auf der serbischen Seite, ein Umgehungskanal.

Die Staatsgrenze liegt in der Mitte des Flusses.

Wir planen, die Donau in MOLDOWA NOUĂ mit einer Fähre zu überqueren, was uns eine kleine Schiffsreise von ca. einer Stunde beschert hätte.

Leider verkehrt sie nur am Wochenende, obwohl ihre Homepage etwas anderes behauptet.

Wir machen an der Anlegestelle unsere Mittagspause und fahren am Fluss entlang nach Süden.

Auf diese Weise können wir mit ansehen, wie er langsam immer schmäler wird. 

Kreuzfahrtschiffe fahren an uns vorbei.

Auf der ganzen Strecke stehen überall Ruinen und anderes kaputtes Zeug herum.

Direkt am Fluss - jenseits der Leitplanken - sieht es allerdings direkt idyllisch aus. Da sitzen immer wieder Grüppchen von Fischern und Picknickern.

Die eigentlichen „Donaudurchbrüche“ habe ich mir etwas spektakulärer vorgestellt.

Klaus macht natürlich trotzdem tolle Fotos davon. 

Hier gibt es sogar ein wenig touristische Infrastruktur. Einige Standln verkaufen etwas und einige Holzbuden nennen sich Restaurant.

Unser Tagesziel ist ORȘOWA. Hier stehen wir in einer ruhigen Sackgasse direkt am Fluss.

Wir sind für unsere Verhältnisse ziemlich spät dran. Es ist schon 16h.

Sehr angenehm warm ist es wieder geworden.

Mit Schreiben, Kochen und Lesen verbringen wir den Abend.

Das Internet drehen wir lieber nicht auf. Serbien ist zu nahe.

257 km

​​

Fr, 24. April

Ein rühriger Ruderverein mit vielen Booten trainiert in aller Frühe eifrig neben uns, während wir uns noch im Bett räkeln.

Unsere Reise geht weiter nach Süden.

In Ungarn haben wir die Plattenbauten noch erwähnt. Hier habe wir uns bereits vollständig daran gewöhnt, auch an den eher ärmlichen Eindruck, den das Land auf uns macht.

Die Brücke, auf der wir nach Serbien wechseln wollten, ist gesperrt. Offenbar wollen die uns dort drüben nicht. Das macht uns gar nichts aus, weil das Serbien-Pickerl ohnehin schon von einer früheren Reise an unserer Rückwand klebt.

Wir fahren weiter der Donau entlang.

Wir scheinen hier auf einer echten Transitroute gelandet. Hier sind nämlich fast nur Fernlaster unterwegs.

Auf unserem Frühstücksplatz bekommen wir Besuch von einigen Pferden und einer Frau mit buntem, um den Kopf gewickelten Tuch und langem, geblümten Rock. Sie hat kaum Zähne im Mund.

Ihr Redeschwall klingt in unseren Ohren fast wie italienisch. Auf jeden Fall entnehmen wir ihm die Worte „no problem“, und lassen uns daher nicht stören.

Bei der Weiterfahrt sehen wir noch einige Frauen, die ähnlich wie sie aussehen.

Wir vermuten, dass es sich wahrscheinlich um Roma handelt.

„Sie passen zum Lokalkolorit“, meint Klaus.

Ungefähr um 12h30 überqueren wir in CALAFAT-VIDIN die Grenze nach BULGARIEN. und werden gleich für eine Brückenmaut zur Kassa gebeten. Immerhin sind wir jetzt wieder in Euro-Land. Erst im Jänner dieses Jahres wurde die Währung hier eingeführt.

Unseren Schlafplatz finden wir - dank Park4Night - in VIDIN, vor der mittelalterlichen Festung Baba Vida, die direkt an der Donau liegt und bis in die Osmanische Zeit hinein große Bedeutung hatte. Wir entdecken arabische Schriftzeichen.

Die Burg und der Park sind schön hergerichtet, und es sind immer noch Arbeiten im Gang.

Wieder haben wir einen wunderbaren Schlafplatz gefunden.

Sogar ein blitzsauberes Klo gibt es hier. 

Klaus’ Schwester Maria hat uns das aktuelle Um-die-Ecke-gedacht Rätsel aus der Zeitung „die Zeit“ geschickt.

Und weil wir nach einer kniffligen Stunde immer noch nicht müde sind, schauen wir uns nach langer Zeit wieder einmal den Film „Rango“- immer wieder ein Vergnügen.

144 km

​

​Sa, 25. April

Bis spät in die Nacht war es um uns herum leider sehr laut.

Wir haben es trotzdem hingekriegt, einige Stunden zu schlafen.

Bei der Fahrt zum Supermarkt fahren wir an der alten Stadtmauer entlang.

Das bulgarische „Kaufland“ bietet erfreulicherweise alles, was unser Herz begehrt.

Unser Frühstücksplätzchen könnte sehr idyllisch sein. 

Am Waldrand steht ein reich verzierter Brunnen mit Inschrift, Säulchen und Figuren. 

Leider ist rundherum alles vermüllt und verdreckt. Solche Kontraste gibt es hier oft.

Immer wieder kommen Leute, um ihre großen Kanister zu füllen. Auch wir machen unseren Wassertank voll.

Wir fahren weiter der Donau entlang nach Südosten. Hier ist sie noch ziemlich naturbelassen, mit vielen Nebenarmen und dichten Auwäldern.

Bevor wir nach Sofia kommen, das ja heute unser Tagesziel ist, müssen wir eine Bergkette überwinden, die zu den Karpaten gehört.

Wir haben die schneebedeckten Höhen schon von weitem gesehen.

Direkt neben der Straße liegen noch einige Schneefelder.

Am Stadtrand von SOFIA finden wir einen kleinen, sehr einfachen privaten Campingplatz - Park4Night sei Dank.

Wir können hier sogar duschen und haben WLAN. Natürlich gibt es auch Wasser und Klo.

Um wenig Geld können wir hier im „Luxus“ schwelgen.

Wir stellen unsere Möbel ins Freie und sind ab sofort auf Sommerurlaub.

Unser heutiges lustiges Abendprogramm besteht darin, das hiesige WLAN auszunutzen, und alles, was geht, upzudaten und die neuesten Versionen zu installieren - bei unseren Laptops, den Handys und den Uhren.

Das langsame Internet plagt sich redlich, aber schließlich, um fast 23h ist alles fertig.

196 km

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​So, 26. April

Heute werden wir uns hauptsächlich der Hauptstadt SOFIA widmen. 

Bis zur U-Bahn ist es nicht weit. Sie bringt uns ins Stadtzentrum. Zu unserer Freude sind die Stationen und die - altmodischen - Züge ziemlich sauber.

Beim Ticket-Automaten erklären wir einer einheimischen Dame, wie das funktioniert.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind hier sehr günstig. Wir zahlen gerade einmal € 0,80.

Die Stadt überrascht uns positiv. Wir freuen uns über gepflegte Parkanlagen und nette Lokale.

Ich war auf der Maturareise hier, vor 52 Jahren. Damals war der Eindruck wahrlich ein anderer- tiefster Ostblock. Ich habe ausschließlich das unsägliche Mausoleum mit der einbalsamierten Leiche des Diktators Georgi Dimitroff in Erinnerung.

Direkt bei der U-Bahn-Station liegt ein Teil des Antikkomplexes Serdica, der sich über 9000m2 erstreckt und die Reste des antiken Sofia mit den Fundamenten eines Stadttors, von Häusern und frühchristlichen Kirchen zeigt.

Wir finden uns in der Stadt gut zurecht, weil fast alles nicht nur in kyrillischer sondern auch in lateinischer Schrift angeschrieben ist, und vieles auch auf Englisch.

Unser erster Weg führt uns zur Rotunde Sveti Georgi, dem ältesten Gebäude der Stadt.

Der runde Kuppelbau mit einem Durchmesser von 10m entstand im 4. Jhd. auf den Fundamenten einer römischen Therme.

Besonders beachtenswert ist die Kuppelausmalung. Sie besteht aus mehreren Schichten.

Da gerade Sonntag ist, werden wir Zeugen eines orthodoxen Gottesdienstes. 

Wir sehen, wie die Priester hinter der Ikonostase herumgehen. Davor singen und beten die Leute.

Wir spazieren weiter und stellen fest, dass das Stadtzentrum viel schöne Bausubstanz hat, die gut in Schuss ist.

Auf einem Platz wird gerade ein Flohmarkt abgehalten, zu dem offenbar eine gigantische Sammelaktion von Plastikflaschen gehört. Mehrere Lastwägen transportieren die wertvollen Rohstoffe ab.

Auch an der eindrucksvollen 16m hohen Säule der Heiligen Sofija, einer Allegorie der Stadt, kommen wir vorbei. Sie entstand 2001 aus Kupfer und Bronze. Sie ersetzte Lenin, der bis 1991 auf dieser Kreuzung stand.

Ihre Mauerkrone ist ein Symbol der Wehrhaftigkeit, die Eule symbolisiert Weisheit. Die Münzen in ihrer Hand sollen der Stadt Reichtum bringen und der Kranz in ihrer anderen Hand den Frieden.

Die zweitälteste Kirche Sofias ist die Sophienkirche.

Ihr ältester und interessantester Teil sind die weitläufigen Katakomben.

Bald fallen uns die goldenen Kuppeln der Kathedrale Aleksandăr Nevski. Diese Kirche ist viel jünger. Sie wurde in neobyzantinischem Stil erbaut und ist eine der größten Kirchen des orthodoxen Christentums. 

Unsere Begeisterung bleibt allerdings begrenzt. Auch, als wir im Reiseführer lesen, dass die Portale in Wien angefertigt wurden.

Gerade kommen wir zur Kommunionspendung zurecht. Der Priester taucht einen Löffel - immer denselben - in den gewandelten Wein, und jeder Gläubige schleckt ihn ab. „Wahrscheinlich aus hygienischen Gründen“, meint Klaus. Wie haben sie das wohl während der Pandemie gemacht?

Auf unserem Weg zurück zur U-Bahn sehen wir die schneebedeckten Berge aufragen, die wir heute noch zu überwinden haben.

Zurück auf unserem Campingplatz bereiten wir uns für die Weiterreise vor. Wir füllen unseren Wassertank und entleeren Klo und Grauwasser.

Um 13h30 sind wir wieder auf Achse.

Heute wollen wir uns noch die Kirche von Boyana anschauen, die etwas weiter im Süden zu finden ist. Das Weltkulturerbe steht in einem hübschen Garten mit hohen Bäumen.

Die ältesten Teile stammen aus dem 11. und 13. Jhd. 

Die Fresken im Inneren sind außergewöhnlich gut erhalten. Sie berichten über das Leben des Hl. Nikolai mit Elementen aus dem Alltag und Gesichtern, die untypisch für die Zeit Mimik zeigen.

Sie haben nicht nur die bulgarische Wandmalerei, sondern die Malerei in ganz Europa beeinflusst.

Um das Raumklima nicht zu gefährden, dürfen nur ganz kleine Gruppen für maximal 10 Minuten hinein.

Es herrscht recht großer Andrang. Wir müssen eineinhalb Stunden warten, die wir „zu Hause“ für Bildschirmarbeit nutzen.

Jetzt brauchen wir noch einen Schlafplatz. Den finden wir auf der Weiterfahrt nach Süden am Rand einer Bergstraße mit Blick in den Wald.

Übrigens, heute war zum ersten Mal Sandalenwetter.

44 km

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Mo, 27. April

Wir merken, dass wir in den Bergen sind. Es ist nämlich ziemlich kühl, 6°.

Aber die Sonne scheint, und es wird sicher wieder ein schöner, warmer Tag werden.

Überall auf den Bergen um uns herum leuchtet es weiß. Wir hätten nicht gedacht, dass wir so weit im Süden noch so viel Schnee sehen würden.

Das macht wohl das kontinentale Klima.

Links und rechts der Straße blühen wunderbar die Tamarisken in ihrem zarten Altrosa.

Wir stellen uns gerade vor, dass hier „In den Schluchten des Balkan“ Kara Ben Nemsi und Hatschi Halef Omar geritten sind.

Auf unserem heutigen Plan steht das Rila-Kloster.

Das bekannteste, größte und spirituell wichtigste Kloster des Landes liegt auf einer Höhe von 1150m, umgeben von der wunderbaren Kulisse des Rila-Gebirges.

Unser Reiseführer schreibt von einem der absoluten Höhepunkte jeder Bulgarienreise, und er übertreibt nicht. Wir sind begeistert.

Die ganze Anlage, die von einer hohen Außenmauer umgeben ist, strahlt ein sehr feines Chi aus.

Durch das reich gestaltete Dupnica-Tor gelangen wir in den Klosterhof.

Die vierstöckigen Galerien, Arkaden, Terrassen und Treppen, die die Kirche umgeben, zeigen Muster in weiß, rot und schwarz- mit viel Liebe zum Detail.

Das Kloster bietet Platz für 300 Zellen. Es ist immer noch bewohnt, aber so viele Mönche leben heute sicher nicht mehr hier.

Die Kirche mit ihren fünf Kuppeln ist außen und innen über und über bunt bemalt. Wir erkennen viele Szenen aus der Bibel.

Im Inneren wurde nicht mit kunstvollen goldenen Verzierungen gespart.

Die Farben der Fresken wirken so frisch.

Ach so, sie wurden erst Mitte des 19. Jhd. fertiggestellt.

Auch die Kirche selbst wurde 1834 wieder aufgebaut, nachdem der Vorgängerbau aus dem 14. Jhd. bei einem Brand stark beschädigt worden war.

Der 23m hohe Chreljo-Turm in der Mitte des Ensembles ist das älteste Gebäude. 

Er stammt aus 1335 und diente zur Verteidigung.

Gegründet wurde das Kloster im 9. Jh. vom Eremiten Ivan (= Johannes) von Rila.

Immer mehr Mönche hatten sich ihm in seiner Einsiedelei angeschlossen, bis diese Behausung schließlich zu klein wurde.

Wir sind tief beeindruckt von der ganzen Anlage. In einem Wort: „Wow“.

Unsere Reise geht weiter.

Der Weg zum Kloster war ja eine Sackgasse. Jetzt sind wir zurück nach Westen unterwegs.

Wir schrauben uns in vielen Serpentinen eine Bergstraße hinauf.

Auf 800m Höhe wartet unser heutiges Plätzchen auf uns.

Wir stehen inmitten von bewaldeten Bergrücken, kurz vor PADALA.

Hier wollen wir den Tag verbringen und auch schlafen.

Klaus lässt die Drohne steigen und holt seinen Zeichenblock hervor.

Und dann werden wir zu allem Überfluss noch durch ein wunderschönes Abendrot beschenkt- Romantik pur.

132 km

 

Di, 28. April

Wir fahren die Serpentinen wieder hinunter.

Der Umweg in die Berge hat sich wirklich ausgezahlt und uns wieder einmal einen ganz besonderen Schlafplatz beschert.

Bei der Durchfahrt durch Ortschaften sehen wir wieder viele Storchennester.

Klaus träumt von einer Bäckerei fürs Frühstück. Aber jeder Laden, den wir kontrollieren,

hat nur abgepacktes Weißbrot in Scheiben und Chips & Co.

Wo wir Brot und Gebäck erwartet hätten, gähnen leere Regale.

Wir sind in der Wintersportregion BANSKO gelandet, wo auch Weltcup-Schirennen stattfinden.

Hier gibt es offenbar auch Tourismus, weil vieles auf Englisch angeschrieben ist.

Aber die Infrastruktur ist - zumindest jetzt, außerhalb der Saison - trotzdem nicht besser.

Über eine Strecke von vielen Kilometern finden wir kein vernünftiges Geschäft.

Am Straßenrand stehen auf einmal alle 100m Verkaufsbuden, an denen es Honig Kartoffeln gibt.

Landschaftlich gefällt uns Bulgarien recht gut. Alles ist grün. Die Flüsse sind unreguliert.

Leider ist alles heillos vermüllt, und die Häuser sind oft in einem bejammernswerten Zustand- richtig ärmlich.

Kein Wunder, dass es überall Glücksspiel-Werbung gibt.

Trotz positiver Grundstimmung macht es uns das Land nicht leicht, es zu mögen.

Es wird immer klarer, dass wir in einen goßen Supermarkt einer ausländischen Firma gehen müssen, wenn wir irgendetwas haben wollen, das uns interessiert.

Als wir uns der Stadt Plovdiv nähern, winkt uns das „gelobte“ Kaufland.

Hier sind wir sehr erfolgreich. Gutes, dunkles Brot, Pflanzenmilch, Kokosjoghurt, Nüsse und Tofu wandern in unseren Einkaufswagen, Obst und Gemüse sowieso. 

Am Stadtrand finden wir im Grünen, neben einem Park, unseren Schlafplatz.

Die Fahrt hierher war für Klaus, den Fahrer, sehr anstrengend. 

Manche Straßen sind ja gut, aber viele sind ganz schlecht mit tiefen Schlaglöchern.

Es ist 15h und nach der obligatorischen täglichen Bildschirmarbeit können wir uns erholen.

226 km

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Mi, 29. April

Es ist ein bisschen regnerisch, aber wir lassen es uns nicht verdrießen.

Heute steht vor allem PLOVDIV auf dem Programm, die zweitgrößte und eine der ältesten Städte des Landes.

Sie wurde auf fünf Hügeln erbaut, die auch auf dem Stadtwappen dargestellt sind.

2019 war sie europäische Kulturhauptstadt. Da hat sie sich sehr gemausert- allerdings fast nur im Stadtzentrum.

Eine kleine Moschee aus dem 17. Jhd, die in einem „verwunschenen“ Garten/Friedhof steht, begrüßt uns als erste Sehenswürdigkeit. Das originell gestaltete Sichtmauerwerk gefällt uns besonders gut.

Wir spazieren durch die recht nette Fußgängerzone mit edleren Geschäften im Erdgeschoss. 

Wenn man allerdings den Blick nach oben hebt, sieht man, in welch schlechtem Zustand die Häuser sind, in denen sie untergebracht sind.

In den übrigen Gassen gibt es unzählige Kioske, die Fastfood minderwertigster Qualität verkaufen, und vor denen sich die Jugendlichen versammeln.

An einer relativ malerischen Ecke sehen wir Scheinwerfer und sonstiges Equipment aufgebaut. Wir werden zur Seite gescheucht, denn es wird hier gerade ein Film gedreht.

Action erleben wir keine, also spazieren wir weiter.

Wir ersteigen einen der Hügel und entdecken einige hübsche - frisch renovierte - Häuser aus der Wiedergeburtszeit.

Die „Rumänische Wiedergeburt“ war eine Ära im 18. und 19. Jhd. Es war eine Periode des sozioökonomischen Wachstums und der nationalen Einigung des bulgarischen Volkes innerhalb des Osmanischen Reiches.

In vielen Städten entstanden die sogenannten Wiedergeburtshäuser. Der wirtschaftliche Aufschwung spiegelte sich nämlich auch in der Erneuerung der Wohngebäude, und es entstand allmählich ein neues Stadtbild, geprägt von wieder wohlhabend gewordenen Handwerkern und Kaufleuten.

Aber auch römische Reste gibt es in der Stadt. Die Ausgrabungsstätte des Amphitheaters ist ganz modern und besonders ansprechend gestaltet. 

Das Archäologische Museum zeigt uns die Geschichte der Region von der Steinzeit bis ins Mittelalter.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Thrakischen Kultur, die in dieser Gegend ein wichtiges Zentrum hatte.

Die kunstvoll und fein gearbeiteten Gegenstände und Münzen aus Gold sind besonders beeindruckend und schön.

Viele Exponate waren Grabbeigaben.

Aber es werden auch Waffen, Schmuck und Alltagsgegenstände gezeigt.

Das Museum zeigt sehr anschaulich, wie reich und eigenständig diese Zivilisation war.

Die Thraker waren ein antikes Volk, das von ca. 3000 v. Chr. bis ca. 100 v. Chr. in Osteuropa lebte- in Bulgarien, Griechenland und der europäischen Türkei.

Die Bulgaren sehen in ihren ihre Urväter.

Es war eine Stammesgesellschaft, keine einheitliche Nation.

Sie sind bekannt für ihre Goldschätze und kunstvollen Gräber.

Trotz ihrer Bedeutung hinterließen die Thraker kaum schriftliche Quellen. Was wir von ihnen wissen, stammt von griechischen Historikern wie Herodot.

Auch in der Ilias - im 8. oder 7. Jhd. v. Chr. - werden sie als Meister der Metallverarbeitung geschildert.

Sie kämpften auf der Seite Trojas, und wegen ihres reichen Schmuckes sollen sie „hell wie die Sonne“ gestrahlt haben.

46 n. Chr. wurde Thrakien nach langer Gegenwehr eine Provinz des Römischen Reiches. 

Übrigens, Orpheus, Hades und Asklepios stammten der Sage nach aus Thrakien.

Wir fahren ein Stück weiter nach Nordosten.

Wir stellen fest, dass Bulgarien ein sehr gebirgiges Land ist. Ständig müssen wir Höhenzüge überwinden.

In KAZANLAK wartet ein weiteres Highlight auf uns, ein thrakisches Fürstengrab.

Das wunderschön bemalte Kuppelgrab darf seit den 1970er-Jahren nicht mehr von Touristen betreten werden, damit ein gleichbleibendes Raumklima gewährleistet werden kann.

Es gibt aber einen Nachbau, der auch einen guten Eindruck vermittelt.

Die bienenkorbförmige Kammer hat einen Durchmesser von 2,65m und eine Höhe von 3,25m. Die Kuppel ist reich und bunt bemalt. Es wird unter anderem ein Abschiedsgastmahl des Fürsten und seiner Frau dargestellt. Er verabschiedet sich sozusagen in den Tod. Es ist berührend, wie sie einander traurig anschauen und sich zärtlich an den Händen halten.

Ein rasantes Wagenrennen, das gleichsam über sie hinwegfegt, soll verdeutlichen, wie schnell die Zeit vergeht.

Ende des 4. Jhd. v. Chr. wurde der Fürst hier bestattet.

Wir verlassen das Weltkulturerbe und wenden uns profaneren Dingen zu.

Bei einer Tankstelle leeren wir unser Klo aus, und in GABROVO empfiehlt uns unser App eine kleine Wäscherei, bei der wir heute Abend unsere Schmutzwäsche abgeben und morgen wieder abholen können.

Gleich ums Eck finden wir in einer Nebengasse einer Nebengasse unseren heutigen Schlafplatz.

170 km

​

Do, 30. April

Es hat in der Nacht geschüttet, und es regnet immer noch.

Klaus hält seine Malstunde, wie jeden Donnerstag.

Um 11h holen wir unsere gewaschene, trockene und duftende Wäsche ab.

Und dann gehen wir zum Billa einkaufen.

Unsere Reise geht weiter nach Nordosten.

Das berühmteste Thrakergrab haben wir nämlich noch nicht gesehen.

Heute ist für Klaus der anstrengendste Tag: viele Kilometer und teilweise sehr schlechte Straßen. 

Der Fahrer muss hoch konzentriert sein, dass wir nicht in eines der riesigen Schlaglöcher hineinrumpeln.

Außerdem regnet es den ganzen Tag, und es ist saukalt.

Kurz nach 16h30 kommen wir froh und dankbar in Sveštari an.

Vor unserer Nase hat man uns die Türe zugeschlagen. Die Damen zucken bedauernd die Schultern.

Eine Besichtigung ist erst wieder morgen möglich.

Kein Problem, wir wollten ohnehin hier auf diesem Parkplatz übernachten.

Wir frieren so sehr, dass wir sogar kurz die Heizung aufdrehen, obwohl wir doch Gas sparen wollen. Wir wissen nicht genau, wo wir unsere Flaschen füllen oder tauschen können.

Klaus meint: „Es ist fast ein bisschen ungemütlich …“

Da bleibt nur eins, warm anziehen und sich ins Bett kuscheln.

234 km

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Fr, 1. Mai

Wir gehen davon aus, dass das auch hier ein Feiertag ist, allerdings merken wir nichts davon.

Brr, war das heute eine eiskalte Nacht mit Regen, Regen, Regen!

In der Früh ist alles vorbei, und die Sonne scheint. 

Die Stimmung hebt sich sofort.

Die Gräber der Thrakischen Nekropole von SVEŠTARI darf man nur mit Führung und in ganz kleinen Gruppen betreten. Unser Guide spricht gut Englisch.

Die Hauptattraktion ist das Königsgrab. Es ist um einiges größer und spektakulärer als die Grabstätte, die wir vorgestern gesehen haben. Natürlich ist es auch Weltkulturerbe.

Die aus massiven Steinquadern fugenlos zusammengefügte Original-Grabkammer wurde innerhalb des Tumulus freigelegt.

Wir können um sie herumgehen und sie auch betreten.

Die hermetisch dichte Tür wird für uns aufgeschlossen. 

In der Luftschleuse bekommen wir einige Erklärungen und müssen unsere Schuhe in Plastik-Überzüge stecken.

Dann erst dürfen wir ins Innere treten.

Es besteht aus einem Gang, einer Vorkammer, einer Opferkammer und einer Hauptkammer mit zwei Liegen.

Hier wurden die Gebeine eines Mannes, einer jungen Frau und eines alten Mannes gefunden; ebenso wie die Knochen mehrerer Pferde.

Es gibt Gewölbe und Säulen.

Etwas ganz Besonderes sind die 1,20m hohen Skulpturen von Frauen mit aufgezwirbelten Röckchen. Diese zehn Karyatiden waren bemalt. Man erkennt noch deutlich Farbreste.

Die sind Mischwesen aus Pflanze und Mensch und tragen das umliegende Gebälk, das die eigentliche Begräbniskammer umschließt.

Das Grab stammt aus ca. 250 v. Chr. 1982 wurde es entdeckt.

Es stehen auf diesem 750 ha großen Areal noch mehrere andere, bereits freigelegte, Gräber herum. Der höchste dieser Tumuli ist 20 m hoch.

In den Sommermonaten sind hier Grabungsteams am Werk, denn die meisten der über 100 Hügel wurden noch nicht geöffnet.

Unsere Führung beinhaltet noch zwei weitere Gräber, die aber bei weitem nicht so schön gestaltet sind. „These were ordinary people“, wird uns erklärt.

Wenige km von hier entfernt war die damalige Hauptstadt  BABA TEKE. Sie war von einer Mauer umgeben. Wie so oft, ist auch hier von den Behausungen der Lebenden so gut wie nichts mehr erhalten.

Nach diesem eindrucksvollen Besuch und einer Frühstückspause machen wir uns wieder auf den Weg. Wir sind wieder eher in Richtung Süden unterwegs - wieder auf sehr, sehr schlechten Straßen. Gott sei Dank herrscht nur ganz wenig Verkehr.

Immerhin sind die Temperaturen mittlerweile auf sagenhafte 8° hinaufgeklettert.

Auf unserem Weg nach SHUMEN, zur größten und schönsten Moschee Bulgariens, sehen wir viele kleinere Moscheen.

Offenbar leben hier viele Muslime. Das erkennen wir auch an der Kleidung der einheimischen Frauen - Pluderhose und Kopftuch.

Schließlich erreichen wir die Tombul-Moschee. Sie stammt aus dem 18. Jhd. und ist wirklich wunderschön. Das mehrstöckige Innere ist reich und bunt bemalt. Sie hat ein 40 m hohes Minarett. Ihren Namen hat sie von der bauchigen Form der Kuppel über dem Hauptsaal.

Sehr hübsch ist auch der Brunnen im Innenhof, der rituellen Waschungen dient.

Die anderen Besucher, die sich hier aufhalten, sind eine Gruppe junger Männer, die wir als Oberösterreicher enttarnen. Sie kommen aus Vöcklabruck und feiern auf einer kleinen Bulgarienreise mit kulturellem Schwerpunkt Junggesellenabschied-wahrlich eine originelle Art zu poltern.

Ein unfassbar hässlicher Betonklotz ist in der Ferne zu sehen. Es handelt sich um das Denkmal der Gründer Bulgariens aus 1981. Wir schauen lieber weg.

Nun fahren wir ein Stück auf der Autobahn. Plötzlich werden wir auf die Seite gewinkt. Ein sehr freundlicher Beamter erklärt uns in gutem Deutsch, dass das offenbar sehr zuverlässige, lückenlose Überwachungssystem festgestellt hat, dass wir unsere Vignette erst am 2. Tag unseres Bulgarien-Aufenthalts gekauft haben und nicht gleich bei der Einreise.

Damals haben wir noch nicht gewusst, dass man sie nicht nur für Autobahnen braucht.

Wir müssen also wohlfeile € 35,00 Strafe zahlen und werden dafür aus der „Verbrecherkartei“ gelöscht.

Hoffentlich wird unser Geld auch zweckgebunden zum Ausbessern der Straßen verwendet. Sogar auf der Autobahn gibt es ordentliche Löcher. „Eher unordentliche“, erklärt Klaus.

Unser heutiges Tagesziel ist VARNA am Schwarzen Meer. Unser Schlafplatz liegt malerisch direkt am Wasser. 

Nach einem schönen Abendrot geht in tiefem Orange der Vollmond auf – wieder einmal Romantik pur.

Varna war übrigens in den Anfängen des Orient Express die Endstation. Nach Istanbul musste man damals weiter mit dem Schiff fahren.

Wir sind hier am östlichsten Punkt unserer Reise angelangt.

173 km

​

Sa, 2. Mai

In der Nacht war’s kalt, aber jetzt scheint die Sonne, und das Meer glitzert silbrig.

Einige Angler sind bereits am Werk, einige Sportler schwimmen sogar.

Auch Klaus macht seine Morgen-Übungen.

Aber nun genug der Romantik- wir müssen unser Klo ausleeren.

Tankstellen-Außentoiletten sind für solche Unterfangen sehr gut geeignet.

Auf geht’s nach NESSEBAR.

Das ist offenbar ein richtiger Fremdenverkehrsort am Meer. Es gibt viele große, edle Hotels. Die Stadt hebt sich deutlich von den anderen bulgarischen Städten, die wir bis jetzt gesehen haben, ab. Es gibt kaum schäbige, ärmliche Häuser.

Gerade fahren wir an einer riesigen orthodoxen Kirche mit knall-goldenen Kuppeln vorbei.

Die Altstadt liegt auf einer Insel, die über einen Damm erreichbar ist.

Wir spazieren hinüber und freuen uns über 16°.

Jede Menge Touristen haben dieselbe Idee. Immerhin ist das hier 

UNESCO-Kulturerbe. 

Gleich als erstes sehen wir die Reste der griechischen Festungsmauer aus Naturstein.

In dieser Stadt haben wir ein reelle Chance auf Wiedergeburt ;-)

Hier steht nämlich ein hübsches Wiedergeburtshaus neben dem anderen.

Leider sind die nettesten zu Souvenirläden verkommen.

Zwei ganz alte Kirchen aus Naturstein und Ziegeln gefallen uns besonders gut.

Die Kirche Johannes der Täufer stammt aus dem 10. Jhd.

Im 13. Jhd. wurde die Kirche Christus Pantokrator gebaut. Ein ganz besonderes Aussehen verleihen der Fassade viele farbige Keramikmedaillons.

Unsere Reise führt uns weiter, an der großen Hafenstadt BURGAS vorbei- eine Sitzbesichtigung genügt hier.

Unser Schlafplatz liegt auch heute wieder am Meer- in CHERNOMORETS, an der Spitze einer Halbinsel. 

Hier ist es noch schöner als gestern.

Die Sonne scheint, aber es weht eine steife Brise.

Morgen kommen wir in die Türkei. Da müssen wir wegen Roaming wieder unsere Mobilen Daten ausschalten und ca. eineinhalb Tage ohne Internet auskommen.

175 km

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So, 3. Mai

Die Nacht war schon wieder so kalt. Ich hab’ schon nicht mehr gewusst, was ich noch anziehen könnte.

Der Sturm hat unser Auto hin und her gebeutelt und uns schließlich doch in den Schlaf gewiegt.

Vor der Abfahrt machen wir noch rasch unsere Duolingo-Streaks, bevor wir uns endgültig vom Internet trennen.

Ca. um 10h halten wir eine Pause. Und wie wir es von zu Hause gewohnt sind, lösen wir beim Sonntagsfrühstück das Um-die-Ecke-gedacht Rätsel. Maria hat uns wieder das aktuellste aus der Zeitung „Die Zeit“ geschickt.

Dann machen wir uns wieder auf nach Süden.

Die Fahrt geht durch das Bergland von STRANDŽA. Die reizvolle Landschaft zieht bei Regenwetter an uns vorbei.

Ein Brunnen am Wegesrand beschert uns Wasser. 

Beim kleinen Grenzübergang in MALKO TĂRNOWO reisen wir in die TÜRKEI ein.

Bewaffnete Beamte patrouillieren.

Diese Grenze hat leider traurige Berühmtheit erlangt.

Während des Kalten Krieges war sie mit einem massiven Stacheldrahtzaun gesichert und die bulgarischen Grenztruppen hatten den Befehl, bei Fluchtversuchen von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. In den 1960er und 1970er Jahren kamen an dieser Grenze zahlreiche DDR-Bürger ums Leben.

2014/15 geriet die Grenze in den Blickpunkt der Öffentlichkeit durch Menschenhandel, Schlepperwesen und Drogenschmuggel.

Bulgarien begann in der Flüchtlingskrise mit dem Bau eines Grenzzauns entlang der EU-Außengrenze, um die wachsende Anzahl von Migranten, die aus dem Nahen Osten und Nordafrika in die EU gelangen wollten, einzudämmen- die berüchtigte „Schließung der Balkanroute“.

Leider kommt es immer noch im Grenzgebiet zu Todesfällen.

Wir sind privilegiert und haben einen österreichischen Pass.

Trotzdem beträgt die Wartezeit vor dem Schlagbaum über eine Stunde.

Wir werden auch mehrmals genauestens kontrolliert.

Was machen wir, wenn wir lange warten müssen? Wir machen einfach noch ein Rätsel.

Das einschlägige Buch gehört zur fixen Einrichtung unseres WoMo.

Endlich dürfen wir passieren. 

Das STRANDŽA-Bergland geht natürlich jenseits der Grenze weiter. Aber entgegen der Unkenrufe unseres Reiseführers sind die Straßen hier sehr gut.

Vorbei geht es an Dörfern mit kleinen, einfachen Moscheen.

Unser erstes Zwischenziel ist KIRKLARELI, eine für uns uninteressante Stadt.

Nach der Mittagspause um 15h orientieren wir uns neu. Wo werden wir schlafen? 

Wir haben nicht bedacht, dass unser Park4Night ohne Internet nicht funktioniert.

Also machen wir es halt wie früher und vertrauen auf unsere Intuition. Vielleicht hat ja irgendeine Ortschaft einen Sportplatz.

In SÖĞÜTLUDERE finden wir ein geeignetes Plätzchen neben einem Spielplatz.

Kaum haben wir uns eingerichtet, kommen ein paar einheimische Männer mit Deutschland-Erfahrung zu uns und beginnen zu plaudern.

Sie empfehlen uns einen besseren Platz neben einem Bauernhof.

Sogar ein Gästezimmer mit einem „richtigen“ Bett wollen sie uns anbieten.

Die Einladung ins Kaffeehaus, in dem abends die Männer zusammensitzen, schlägt Klaus aus. Ich finde es irgendwie rührend und freue mich sehr, dass er meint, er würde lieber bei seiner Frau bleiben.

Heute versucht der Muezzin, uns in den Schlaf zu singen. Das gelingt ihm erst, als er wieder aufhört.

173 km

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Mo, 4. Mai

Um 4h früh werden wir wieder zum Gebet gerufen.

Dankbar für diese Erinnerung ;-) drehen wir uns nochmals im Bett um.

Die Temperaturen der heutigen Nacht waren wesentlich angenehmer als zuletzt.

Die Nachbarsbäuerin kommt neugierig zu Besuch.

Sie erzählt von ihren Kindern und Ekelkindern, die alle in Deutschland sind.

Solche zerrissene Familien sind hier typisch. Der Sohn lebt und arbeitet in Deutschland, bestellt aber hier seine Felder- pendelt also immer wieder hin und her.

Von hier aus ist es gar nicht mehr weit nach EDIRNE, vormals Adrianopel- benannt nach dem römischen Kaiser Hadrian.

Ihre Skyline wird von Moscheen geprägt- wie bei uns durch Kirchen.

Wir fahren den breiten Atatürk-Boulevard entlang und stellen fest, dass 

die Stadt auf uns modern und gepflegt wirkt. 

Wir wollen die Selimiye-Moschee besichtigen. Sie stammt aus dem 16. Jhd. und gilt als Höhepunkt osmanischer Architektur. Nicht zu Unrecht gehört sie zum UNESCO-Kulturerbe.

Der große, prächtige Bau mit seinen vier Minaretts ist von einer Mauer umgeben. Wo ist der Eingang?

Ein Teehändler weist uns den Weg. Wir müssen durch den Basar gehen, um in den Heiligen Bezirk zu gelangen. 

Hier tritt man wie in eine andere Welt ein. Ein schöner Park umgibt das Gotteshaus. 

Im Hof steht ein schöner Brunnen für rituelle Waschungen.

Natürlich müssen wir die Schuhe ausziehen, und ich muss mir ein Kopftuch aufsetzen.

Das Innere der Moschee ist sehr schön. Eine riesige Kuppel überspannt den Hauptgebetsraum. Sultan Selim ließ Koransuren in kalligraphisch auf Fayencen schreiben, die die Wände bedecken.

Bei der Besetzung Edirnes durch russische Streitkräfte im 19. Jhd. wurde ein Teil dieser Fliesen geraubt und nach Russland verbracht.

Eine Frau ist gerade beim Staubsaugen. Auf dieser großen Teppichfläche wäre unser neuer Saugroboter „Dreame“ in seinem Element.

Beim Rausfahren aus der Stadt entdecken wir noch die alte Meriç-Brücke über die Maritsa. Sie wird als Werk osmanischer Baukunst aus dem 19. Jhd. beschrieben.

Wir selbst überqueren den Fluss über eine moderne Straßenbrücke.

Das war also jetzt unser Abstecher in die Türkei. 

Das Länderpickerl haben wir auf die Rückseite unseres WoMo geklebt, und jetzt geht es über einen anderen Grenzübergang wieder zurück nach Bulgarien.

Denkste!

Nach mehreren Kontrollen - wie gehabt - werden wir in GRIECHENLAND begrüßt, in KASTANIES.

Welch eine Überraschung, das haben wir nicht erwartet.

Wir sind hier im bulgarisch-türkisch-griechischen Dreiländereck.

Vor uns ragt das Rhodopengebirge auf.

Überall sehen wir Grenzzäune mit Stacheldraht - ein regelrechter Eiserner Vorhang.

Am Evros-Fluss, der uns jetzt so friedlich begleitet, spielten sich 2015 furchtbare Dramen ab.

Nach einer griechischen halben Stunde erreichen wir die bulgarische Grenze.

An der EU-Innengrenze erwarten wir keine besonderen Formalitäten. Aber auch hier werden wir genau kontrolliert, und müssen Beamte in unser WoMo lassen.

Außerdem mussten wir an allen Grenzen durch ein Desinfektionsbad fahren und unser Auto wurde jedes Mal besprüht. 

Wir kehren jetzt also vollständig desinfiziert nach BULGARIEN zurück.

Heute steht für uns noch ein kultureller Programmpunkt an, das letzte Thrakergrab unserer Reise.

Der bewaldete Grabhügel von MALTEPE beherbergt sogar das größte dieser Begräbnisstätten.

Zwischen dem 6. und 4. Jhd. v. Chr. wurde hier ein lokaler Herrscher beigesetzt.

Durch einen  20m langen und über 2m hohen Gang, der oben spitz zusammenläuft, gelangen wir zu zwei Vorkammern und schließlich zu einem bienenkorbförmigen, schmucklosen Grabraum mit einem steinernen Bett, das von zwei Urnen flankiert wird.

Ursprünglich war die Grabkammer mit einer, mit Löwenköpfen verzierten, Bronzetür verschlossen.

Wir dürfen hier ganz allein ins Originalgrab gehen und haben nur einen minimalen Eintritt bezahlt.

Klaus ist begeistert von der Steinmetzkunst und der präzisen Arbeit, die hier geleistet wurde.

Unser Nachtquartier schlagen wir gleich hier nebenan am Waldrand auf.

Heute genießen wir wieder einen Filmabend „ Münter und Kandinsky“. Wir kennen und schätzen ja ihrer Bilder sehr und haben auch bereits das Münterhaus in Murnau am Staffelsee besucht.

81 km

 

Di, 5. Mai

Das war ein feiner Platz. Wir haben gut geschlafen.

Die hiesige Kustodin hat sogar die Nassräume für uns offen gelassen.

Sie hatte schon die Schlüssel in der Hand, dann hat sie es sich anders überlegt.

„I don’t lock, only for you.“

Wir verlassen MEZEK. Es zieht uns weiter nach Süden Richtung Griechenland.

Wir freuen uns über die Farbenpracht zu beiden Seiten der Straße. 

Die Tamarisken zeigen ihr spezielles Rosa, der Hahnenfuß leuchtet gelb und der Mohn in kräftigem Rot. Auch der Flieder blüht üppig, und etwas weiter entfernt grüßen die strahlend gelben Rapsfelder.

Auch andere Blüten entdecken wir immer wieder am Straßenrand. Relativ mollige junge Frauen schwenken ihre Handtascherln.

Die Temperatur klettert auf 20°- wie angenehm für unsere alten Knochen. Wir haben schon so viel gefroren auf dieser Reise.

Langsam steigt das Gelände an. Die Rhodopen liegt nun vor uns, das Grenzgebirge nach Griechenland.

Hier irgendwo liegt das Grab des Orpheus. Na, irgendjemandes Grabstätte war es auf alle Fälle.

KARDZHALI ist unser heutiger Zielort. Kurz danach finden wir ein idyllisches Plätzchen auf einer großen Wiese mit Blick auf einen Stausee.

Während wir unsere Mittagspause halten, bekommen wir Besuch von einer Kuhherde.

Später kommt ein Schafhirte mit seinen Schützlingen und ein paar Hunden vorbei.

Der sehr einfache, kleine Mann lässt sich in unserer Nähe nieder. Natürlich ist er neugierig.

Klaus, in seiner wunderbar unnachahmlichen Art, geht auf ihn zu und teilt seinen Kaffee und sein Croissant mit ihm.

Schließlich zieht er mit seinen Schafen weiter.

Wir verbringen hier einen „Lazy Afternoon“.

Klaus freut sich, dass er wieder einmal zum Zeichnen kommt.

Auch die Drohne darf wieder einmal fliegen und entdeckt einen großen Schwarm Pelikane im See.

Am Abend erleben wir noch unsere spezielle Schäferidylle. 

Uns fällt auf, dass unser Freund vom Nachmittag seit Stunden unter einem Busch liegt.

Offenbar versucht er jetzt aufzustehen und schafft es nicht.

Klaus eilt zu ihm, um ihn zu unterstützen. Der Mann sackt aber immer wieder zusammen und kann nicht gehen. 

Klaus wählt den Notruf und erreicht eine Beamtin, die sogar deutsch spricht.

Sie wollen eine Ambulanz schicken.

Noch bevor die auftauchen, kommt ein einheimischer Kleinbus daher, und ein junger Mann nimmt unseren Schäfer mit. „No problem“, ruft er uns noch zu. 

Es scheint so, dass er den Opa immer wieder sturzbetrunken hier abholen muss. Als er mit uns „gejausnet“ hat, kam er uns noch ganz normal vor. Er hatte allerdings ein kleines Fläschchen dabei. Wahrscheinlich war da Hochprozentiges drin.

Jedenfalls konnten wir die Ambulanz wieder abbestellen und uns beruhigt schlafen legen.

143 km

 

Mi, 6. Mai

Ich habe sehr gut geschlafen. Das war eine angenehme Nacht ohne Zusatzgewänder.

Der Morgen ist wunderschön. Die umliegenden Berge spiegeln sich im See.

Und schon rollen wir wieder durchs Land, bei sehr angenehmen Temperaturen-Sandalenwetter.

Es geht an einem völlig unregulierten Fluss entlang. Ganz ruhig fließt die Varbiza dahin, zwischen breiten Schotterbänken, in ihrem Bett, das sie sich selbst gebaut hat.

Wir brauchen dringend Trinkwasser. 

Die meisten Wasserstellen haben keinen Hahn mit Gewinde, an das wir unseren Schlauch anschließen können.

Bei dem Brunnen, den uns unser App empfiehlt, ist das leider auch so.

Wir sind hier mitten im Marktgebiet. Der Standler neben uns spricht uns auf Deutsch an. Er hat in Wien und Linz gearbeitet.

Er borgt uns seine 10L-Wasserbombe, mit der sich unser Wassertank recht gut füllen lässt. Wir müssen halt mehrmals zum Brunnen gehen.

So bieten wir den Leuten auf dem Markt wenigstens ein nettes Schauspiel.

Bulgarien haben wir recht intensiv bereist.

Nun machen wir uns auf nach GRIECHENLAND.

Die Grenzanlagen stehen noch herum, aber Kontrollen gibt es keine mehr. 

Aber desinfiziert muss unser Auto offenbar unbedingt werden.

Durch KOMOTINI, eine Schul- und Universitätsstadt, wollen wir nur durchfahren.

Allerdings geraten wir mithilfe unseres Navis in ein enges Gasselwerk, aus dem sich Klaus nur mit Millimeterarbeit wieder heraus manövrieren kann- meine Hochachtung!

Erleichtert verlassen wir die Stadt wieder.

An den Straßenrändern stehen oft - wie überall in Griechenland - kleine Kapellchen. 

Sie sehen ganz verschieden aus, sind unterschiedlich groß und manche sind auch in gutem Zustand.

Bei meiner Reise nach Kreta, mit meiner Freundin Gabi, haben wir sie „Postkasteln“ genannt.

Sehr reizvoll ist die Gegend um die nahe gelegene Vistonis-Lagune.

Der Vistonida-See bildet zusammen mit dem Ismaris-See und benachbarten Lagunen das größte griechische Feuchtgebiet. Es besteht eine Verbindung zum Meer.

Man riecht das Brackwasser.

Bei PORTO LAGOS stehen auf zwei Inselchen mitten in der Lagune je eine Klosterkirche. Auf Holzstegen kann man zu diesem Postkartenmotiv in weiß-blau hinübergehen.

Es handelt sich um eine Außenstelle des Heiligen Berges Athos.

Hierhin dürfen allerdings auch Frauen - „decently dressed“ - ihre „unwürdigen“ Füße setzen.

ATHOS selbst ist ganz woanders. Es ist der östlichste Finger der makedonischen Halbinsel CHALKIDIKE. Seit byzantinischer Zeit ist das eine orthodoxe Mönchsrepublik mit autonomem Status. In den 20 Klöstern leben dort 1811 Mönche.

Unseren Schlafplatz finden wir ganz in der Nähe von Porto Lagos, am Hormus Vistonis, einer Bucht im Ägäischen Meer.

Ein wunderhübsches Pinienwäldchen, leider total vermüllt.

Da hilft nur eins, zamräumen. 

Und schon fühlen wir uns hier sehr wohl.

Hier gab es offensichtlich einmal ein Ausflugslokal, das heute total verfallen und bunt besprüht ist, ein echter „Lost Place“.

110 km

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Do, 7. Mai

In der Früh verlassen wir fluchtartig unseren Platz.

So schön es hier auch war, aber Myriaden von Gelsen haben bereits begonnen, uns aufzufressen. Der Sommer beginnt.

Für Klaus’ Malstunde ist das keine gute Voraussetzung.

Ca. 30 km nordwestlich liegt XANTHI.

Schon wieder theatert uns das Navi in enge - und diesmal sehr steile - Gassen.

Auch diesmal kommen wir da wieder heil raus.

Jetzt stehen wir auf einem Platz hoch über der Stadt mit herrlicher Aussicht auf das Dächermeer.

Hierher hätten wir auch auf normalen Straßen fahren können, wie wir feststellen.

Immerhin müssen wir uns bei der Weiterfahrt nicht wieder in das Winkelwerk hinunterlassen.

In der Malstunde entsteht ein Portrait unseres Schäfers von vorgestern- als er noch gut drauf war.

Die Gegend hier ist sehr reizvoll, ein Wandergebiet.

Nach dem angenehmen Vormittag fahren wir weiter nach Westen, den Nestos-Fluss entlang, der sich tief in eine Schlucht eingräbt.

Die Bergkulisse ist eindrucksvoll.

Hier in den Dörfern leben noch viele sogenannte Pomaken. Das sind bulgarisch sprechende Muslime. Wir sehen alte Frauen mit bodenlangen, schwarzen, unförmigen Gewändern und Kopftüchern.

Vor uns türmen sich die Rhodopen auf. Jenseits dieser Berge liegt Bulgarien. Genau dort sind wir noch vor ca. 10 Tagen entlang gefahren.

Wir vermeiden ein „Drama“ ;-) und suchen uns ein Plätzchen für den Abend und die Nacht kurz vor dem Städtchen DRAMA.

120 km

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Fr, 8. Mai

Das war ein angenehmer Platz. Außer ein paar Joggern ist niemand vorbei gekommen.

Wir haben gut geschlafen.

Bereits um 7h30 sind wir auf Achse und auf dem Weg nach Kavala.

Wir sind heute so früh dran, weil ab Mittag Regen angesagt ist.

PHILIPPI ignorieren wir weitgehend. Es ist ein riesiges Ruinenfeld, wie wir viele kennen. 

Das meiste stammt von den Römern und aus frühchristlicher Zeit. Drunter ist auch noch Griechisches verborgen, das noch gar nicht ausgegraben ist.

Wir kennen diesen geschichtsträchtigen Ort wegen der Schlacht von Marc Anton und Octavian gegen die Cäsarmörder Brutus und Cassius.

Weiters kennen wir den Brief des Apostel Paulus an die Philipper.

Gabi, die Altphilologin, würde den Kopf schütteln, aber wir fahren einfach vorbei.

KAVALA ist die größte Stadt OSTMAKEDONIENS, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und eine typische Hafenstadt. Durch Tabakanbau wurde sie einst reich.

Die Neustadt ist touristisch uninteressant. Sie besteht hauptsächlich aus gesichtslosen Hochhäusern, die 1922 aus dem Boden gestampft wurden, um Platz für die vielen Flüchtlinge zu machen, die damals aus Kleinasien umgesiedelt wurden.

Auffälligstes Merkmal der Stadt ist die byzantinische Festung aus dem 14. Jhd, die hoch oben auf dem Berg thront.

Sehr markant ist auch das doppelstöckige römische Aquädukt. Es ist 20m hoch und besteht aus zwei gewaltigen Bogenreihen übereinander.

Die Altstadt liegt auf einem Landsporn, der sich oberhalb des Hafens ins Meer schiebt.

Wir satteln zum ersten Mal auf dieser Reihe unsere Bromptons und radeln los.

Die schmalen, engen Gasseln werden so steil, dass wir die Räder lieber zurücklassen und zu Fuß weiter zur Ruine hinaufsteigen.

Wir erklimmen natürlich auch den höchsten Turm der gewaltigen Anlage und genießen die Aussicht auf die Bucht und bis hinüber nach Thassos.

Wir machen uns auf den Rückweg. Wo, um alles in der Welt, haben wir unsere Radeln gelassen? Diesmal haben wir vergessen, ihren Standort zu markieren.

Wir irren auf und ab und kreuz und quer durch die Oberstadt und haben kaum einen Blick für die netten Häuser mit ihren hübschen Innenhöfen, und für die Orangenbäume, die Blüten und Früchte zugleich tragen.

Nach langem Suchen finden wir unsere Klappis schließlich wieder. Erleichtert strampeln wir zurück zum Auto.

Unsere Reise geht weiter nach Westen Richtung Chalkidike.

Gegen Mittag landen wir in OPHRYNIO STRAND. Hier werden wir den restlichen Tag hinter unseren Bildschirmen bzw. am Zeichenblock verbringen und auch schlafen.

Jetzt, außerhalb der Saison, wirkt der Strand recht trostlos. Es macht aber den Eindruck, als würde einiges zur Aufhübschung für den Sommer unternommen.

Pünktlich setzt der Regen ein. Aber das stört uns jetzt nicht mehr.

90 km

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Sa, 9. Mai

Wir sind auf dem Weg zur Chalkidike.

Den hübschen Olivenhainen schenken wir nur wenig Beachtung, denn wir haben ganz andere Sorgen.

Unser Klo ist „blattelvoll“ und wir brauchen unbedingt eine Möglichkeit zum Ausleeren.

Eine Tankstelle mit Außentoilette ist wieder einmal unsere Rettung.

Sehr entspannt geht es nun weiter, und wir können die Blütenpracht um uns würdigen.

Auch der kräftig gelbe Ginster entfaltet jetzt seine Pracht.

Im Dorf ARNAIA lockt uns ein buntes orthodoxes Kirchlein. Mit vielen Blumen, Bändern und Fahnen ist es geschmückt.

Als wir aussteigen, um es uns genauer anzusehen, fallen uns noch einige andere hübsche Häuser auf, die ein Foto wert sind.

SITHONIA ist der „mittlere Finger“ der CHALKIDIKE.

Wir fahren durch eine herrlich grüne Landschaft.

Vermehrt begegnen uns Wohnmobile. Es wird wärmer, südlicher, touristischer.

SARTI ist unser Tagesziel.

Der Ort wurde 1923 von umgesiedelten Flüchtlingen aus Kleinasien gegründet.

Die Mittagspause halten wir im kleinen Hafen, in dem Fischerboote schaukeln.

Als Schlafplatz ist es uns hier aber nicht idyllisch genug.

Ein total friedliches Plätzchen finden wir neben einer Klosterruine mit Olivenhain.

Da schaut’s ja fast so aus wie in der Toskana! Sogar die passenden Zypressen wachsen hier.

Der Heilige Berg ATHOS (2030 m) taucht gegenüber aus dem Dunst auf. Charakteristisch ist sein pyramidenförmiger Marmorgipfel.

Wir beobachten ihn, wie er sich - je nach Beleuchtung - stündlich verändert.

Heute Abend haben wir wieder Zeit, uns einen Film anzusehen. „Der Salzpfad“. Wir haben den Bestseller von Raynor Winn gelesen und waren vor zwei Jahren in England am über 1000km langen South West Coast Path, den sie mit ihrem Mann gegangen ist.

Die Gegend und die Landschaft sind uns also vertraut.

168 km

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So, 10. Mai

Um 7h geht die Sonne auf, und die Drohne fliegt.

Um 7h30 sind wir bereits auf Achse.

Die Morgenstimmung ist wunderbar.

Wir fahren vom „Finger“ Sithonia zurück zum „Handteller“ der Chalkidike.

Wild und felsig ist das Landesinnere, stark bewaldet und ziemlich dünn besiedelt.

Nur die Küsten sind touristisch erschlossen.

Vom Anblick des Hl. Berges haben wir uns längst verabschiedet.

Wir sind auf dem Weg nach THESSALONIKI, wo wir am späten Vormittag ankommen.

Der von Park4Night empfohlene Waschsalon hat tatsächlich am Sonntag geöffnet.

Wir parken beim Stadion, stopfen unsere Schmutzwäsche in zwei Packtaschen und radeln hin.

Da sitzen wir also - ausgerüstet mit genug Lesestoff - und warten, bis alles fertig ist.

Zum Übernachtung gefällt uns unser Parkplatz nicht. Also suchen wir uns etwas Lauschigeres.

Diesen netten Platz unter Platanen in Strandnähe haben schon viele andere für ihren Sonntagsausflug auserkoren.

Da stehen wir nun in zweiter Spur und warten, dass jemand wegfährt.

Die Mittagspause geht vorbei, und auch das Wegräumen der Wäsche und die Arbeit an unseren Laptops sind irgendwann abgeschlossen.

Wir sind immer noch zuversichtlich.

Hurra, ein Parkplatz wird frei. Die Nachtruhe ist gesichert.

Es ist 16h. Was machen wir heute noch?

Diese Frage klärt sich sehr schnell.

Vor Begeisterung steige ich zu ungestüm aus dem WoMo aus. Ein Schmerzensschrei!

Meine rechte Achillessehne ist schwer beleidigt und schwillt an. Mir ist speiübel.

Muss ich ins Krankenhaus?

Klaus hieft mich über die Leiter hinauf aufs Bett.

Wir beschließen, die Nacht und noch einen Tag zuzuwarten. Schließlich liegen wir mit unserem Reiseplan sehr gut in der Zeit. 

144 km

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Mo, 11. Mai

Mir geht’s besser. Die Geschwulst ist noch da, aber nicht schlimmer. Blau ist der Fuß auch nicht.

Ich kann ihn halt nicht abbiegen, und nur in einem bestimmten Winkel die Ferse belasten.

Klaus hat keine Lust, die Stadt allein zu erobern.

Also machen wir heute einfach mal einen Ruhetag.

Krankenhaus und Heimfahrt schließe ich aus.

Die Stimmung ist ganz gut.

Wir genießen die Zwangspause sogar.

Klaus macht auf der Mole Yoga und entdeckt eine kleine Bäckerei …

0 km

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Di, 12. Mai

Wir verlassen die Stadt, die uns schon etwas vertraut scheint. Immerhin waren wir zwei Tage hier.

Klaus zeigt mir mittels Sitzbesichtigung seine Spaziergänge von gestern.

Es fallen uns sogenannte „Superblocks“ auf, wie wir sie aus Barcelona kennen- mit abgeschrägten Ecken. Der Durchgangsverkehr zwischen solchen Blöcken ist stark eingeschränkt. Breite, grüne Flächen für Fußgänger und Radfahrer entstehen, mit mehr Schatten gegen die Hitze.

Das Konzept wird hier aber nicht so konsequent durchgezogen wie in der katalanischen Hauptstadt.

Thessaloniki ist halt historisch gewachsen und chaotischer gebaut. Es gibt kein so klares Straßenraster. 

Wir glauben, ein bisschen Gespür für die Stadt entwickelt zu haben, obwohl ja leider keine richtige Besichtigung möglich war.

Ein positiver Eindruck bleibt.

Wir sind ja heute wieder ziemlich früh aufgestanden, weil wir einfach ausgeschlafen waren. Um 7h sind wir bereits unterwegs.

Heute ist der Götterberg Olymp unser Ziel. Bald sehen wir das gewaltige, weit verzweigte, schneebedeckte Massiv vor uns aufragen. Es ist 40km lang, 30km breit.

Wie aus einem Mund stellen wir fest: „Da haben die vielen Götter wenigstens ordentlich Platz darauf.“

Der Hauptgipfel Mytikas ist mit seinen 2917m der höchste Punkt Griechenlands.

Wir haben Glück mit einer klaren Sicht, denn der Berg ist oft mit Wolken verhangen. Dafür ist die große Höhe und das nahe Meer verantwortlich. Das Wetter kann hier sehr schnell umschlagen.

Nicht von ungefähr wird der Göttervater Zeus „Wolkenversammler“ und „Blitzeschleuderer“ genannt.

Die Ortschaft LITOCHORO liegt im Olympus-Nationalpark. Sie ist der Ausgangspunkt für Wanderer, Bergsteiger und Kletterer.

Wir haben keine diesbezüglichen Ambitionen.

Abgesehen davon, dass es für mich derzeit ohnehin nicht in Frage kommt, hatten wir ohnehin nicht geplant, die Götter-Residenz zu erstürmen..

Unsere heutiger Schlafplatz - den wir schon gegen Mittag erreichen - liegt an der steilen Ostflanke des Olymps, auf ca. 700m.

„Mögen uns die Götter gnädig sein“, meint Klaus.

Von hier aus haben wir einen tollen Blick hinauf zum Berg und hinunter aufs Meer.

150 km

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Mi, 13. Mai

Der Blick von hier aus Tal ist atemberaubend, wie aus dem Flugzeug.

Schließlich sind wir hier 700m hoch.

Auch der Blick zurück auf den Berg ist gewaltig.

Der Olymp ist wirklich ein majestätischer Anblick.

Unsere Pläne haben sich geändert, weil ich beschlossen habe, doch ins Krankenhaus zu fahren.

In LARISA, der Hauptstadt von THESSALIEN, bietet sich uns die Universitätsklinik an.

Ca. 70km sind es bis dorthin.

Diese Gegend hier gehört zu den landschaftlich schönsten Strecken unserer Reise.

Die erste Untersuchung im Krankenhaus ergibt, dass meine Achillessehne gerissen ist, und dass ich operiert werden muss. 

Ich werde also aufgenommen. Uff, damit haben wir nicht gerechnet.

Dazu kommt noch, dass die Operationspläne der orthopädischen Abteilung voll sind und nicht klar ist, wann ich drankommen werde.

Nach Blutabnahme und diversen Untersuchungen heißt es jetzt warten.

Sicherheitshalber bekomme ich nichts zu essen zu trinken. Eine Infusion mit Kochsalzlösung sorgt dafür, dass ich nicht dehydriere.

Da ich sicher einige Tage hierbleiben muss, mache ich Klaus den Vorschlag, in der Zwischenzeit alleine die Meteora-Klöster zu besichtigen und mir dann schöne Fotos zu zeigen. Ich werde sicherlich nicht hinaufsteigen können und Klaus kann mir hier ja ohnehin nicht helfen. 

Er macht sich also zuerst zögernd, aber dann doch erfreut auf den Weg. Ca. 100km sind sie von hier aus entfernt.

Mit der „Wo ist?“-App kann ich zuschauen, wo er gerade fährt.

Die Krankenschwestern sind nicht sehr freundlich und sprechen kaum Englisch.

Aber ich habe ja Buch und Hörbuch dabei, damit mir nicht fad wird.

Außerdem sind die hiesigen Steckdosen dazu geeignet, mein Handy aufzuladen.

Meine Zimmergenossin ist eine alte Frau, die von ihrer Tochter Lena liebevoll versorgt wird. Wir können nur mit Händen und Füßen kommunizieren, aber sie ist auch für mich ein echter Lichtblick.

Das ganze Krankenhaus wirkt ziemlich desolat. Irgendwann einmal wurde es gebaut und auch recht nett eingerichtet. Aber seither wurde offensichtlich nie mehr etwas gewartet.

Medizinisch ist aber alles top, und das ist ja die Hauptsache.

Mit Schlaf ist hier nicht viel los. Immer wieder kommt jemand herein, weil es der „Oma“ im Bett gegenüber offenbar recht schlecht geht, und sie immer wieder etwas braucht.

Außerdem brennt während der ganzen Nacht das Deckenlicht.

191 km

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Do, 14. Mai

Klaus ist wieder da und bringt tolle Fotos mit. Sogar die Drohne hat er fliegen lassen, damit ich einen Eindruck bekomme, wie es bei den Felsenklöstern aussieht.

Sie sitzen ganz oben auf stalakmitförmigen hohen, dunklen Felsen. Das Panorama der himmelhohen, riesigen Steinsäulen und bizarren Felsnadeln des „Steinernen Waldes“ erschien den ersten Mönchen - damals im 12. Jhd.- wohl ideal für ihr Leben zwischen Himmel und Erde. Seit jener Zeit entstanden über die nächsten 300 Jahre 23 weitere Klöster.

In der osmanischen Zeit begann langsam der Zerfall des Klosterlebens. Und als in den 1960er-Jahren der Tourismusstrom einsetzte, „flohen“ viele Mönche zum Berg Athos.

Heute sind noch sechs Klöster bewohnt.

Bis in die 1930er Jahre wurden die Bewohner mit Körben und Netzen hinaufgezogen.

Heute kann man mit dem Auto ziemlich weit hinauffahren, und dann geht es über Stufen, die in den Stein gehauen wurden, weiter.

Was für eine nette Abwechslung!

Außerdem haben wir viel Zeit und können uns ausgiebig mit Um-die-Ecke-gedacht-Rätseln beschäftigen.

Immer noch ist alles ungewiss. Wenn ich einen Arzt sprechen will, heißt es: „Er kommt gleich“. Nach einigen Stunden erscheint tatsächlich ein Orthopäde, der recht gut Englisch spricht. Er erklärt mir, dass 24/7 operiert wird, und dass Notfälle natürlich vorgehen. Ich brauche also noch ein wenig Geduld.

Klaus ist fast den ganzen Tag bei mir. 

Wenn wir keine Lust mehr zum Rätseln haben, sitzen bzw. liegen wir - fast wie im Wohnmobil - friedlich nebeneinander und lesen.

Das WoMo steht auf dem Parkplatz neben dem Krankenhaus, wo ich es von meinem Zimmerfester aus sehen kann.

Also können wir einander zuwinken, als Klaus sich für die Nacht verabschiedet.

Nachdem sich Klaus bereits in sein eigenes Häuschen zurückgezogen hat, werde ich um 22h30 endlich zur Operation abgeholt.

Auch hier im Operationssaal - nicht nur in den Krankenzimmern - hängen orthodoxe Heiligenbilder an den Wänden.

Die Anästhesistin ist eine reizende - ziemlich junge - Person, die sehr gut Deutsch spricht. Das erleichtert einiges.

Nachdem wir ein wenig über die wunderschöne Stadt Wien geplaudert haben, bekomme ich einen Kreuzstich und spüre meine Beine nicht mehr.

Dr. Sokrates höchst persönlich operiert mich. Das halte ich für ein gutes Zeichen.

Leider beginnt mein Magen zu rebellieren, und die Nierenschale wird für die nächsten Tage meine ständige Begleiterin.

96 km

 

Fr, 15. Mai

Ca. um 1h30 bin ich wieder in meinem Zimmer.

Ich schlafe ein bisschen.

Nach dem Aufwachen sind auch meine Beine wieder da.

Und auch der getreue Klaus ist wieder da.

Ich habe nun einen Liegegips und erfahre, dass ich das betroffene Bein für die nächsten viereinhalb Wochen nicht belasten darf. 

Ich kriege Antibiotika und Painkiller. 

Sogar ein Essen wird mir serviert, und ich darf wieder etwas trinken. 

Mein Magen verweigert aber alles entschieden. 

Da liege ich nun - mit Windel.

Diese Erfahrung brauche ich offenbar, so völlig hilflos zu sein.

Wenn ich die Schwester rufe, dauert es fast eine halbe Stunde, bis sie kommt.

Gott sei Dank kümmert sich Klaus um mich.

Er findet bald heraus, wo es frische Windeln gibt, und er wechselt das Bettzeug, indem er einfach die Laken des leeren Nebenbettes verwendet.

Zu meiner Freude erfahre ich, dass ich - probably - morgen entlassen werde.

0 km

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​​Sa. 16. Mai

Die Untersuchung der Wunde verläuft gut.

Ich werde umgegipst, und ungefähr um 16h werde ich in die Freiheit entlassen.

Klaus hat mir einen Rollator besorgt, damit ich mich zuhause in der Wohnung fortbewegen kann. 

Ich setze mich also auf mein neues „Fahrzeug“, und Klaus rollt mich zum Auto. Unser Entschluss steht bereits seit gestern fest: Wir fahren nach Hause.

In seiner unnachahmlichen Problemlösungskapazität baut mir Klaus eine Machination, sodass ich hinten einigermaßen bequem sitzen und das Bein hochlagern kann.

Einen kleinen Umweg kriege ich noch geschenkt, bevor es schnurstracks heimzu geht.

So kann auch ich noch einen persönlichen Eindruck von den Meteora-Klöstern bekommen. Ich freue mich sehr.

Wir geben den Ochridsee ins Navi ein. Mal sehen, wie weit wir heute noch kommen  werden.

Um schneller voran zu kommen, nehmen wir die Autobahn.

Wir müssen Maut zahlen, aber die ist erstaunlich günstig.

Da warnt uns plötzlich ein Schild vor einer Bärin mit Jungen. Leider zeigen sie sich uns nicht.

Von sommerlichen Temperaturen kühlt es abends auf 9° ab.

Um 21h stehen wir an einer Grenze. Wir sind gar nicht sicher, in welches Land wir einreisen werden- aha, ALBANIEN.

Offenbar weiß unser Navi, wo es lang geht.

Rasch schalten wir unsere Mobilen Daten aus.

Die Uhren springen von der osteuropäischen Zeit wieder auf mitteleuropäische Sommerzeit um.

Wir sind auf der Suche nach einem Nachtlager.

Wir stauen uns durch die Stadt KORÇE und beobachten dabei die hoffnungsvolle Jugend, wie sie den Samstagabend verbringt.

Die Sitzbesichtigung zeigt uns auch eine originelle orthodoxe Kirche, die aussieht, als wäre sie aus Bauklötzen gebaut worden.

Zu den Stellplätzen, die es hier geben soll, können wir nicht vordringen, weil die Nebengassen für uns einfach zu schmal sind.

Ein Stückchen weiter finden wir in einem kleinen Dorf in einer ruhigen Gasse endlich unseren Platz für die Nacht.

Ich habe bereits gelernt, ohne Hilfe aufs Klo zu kommen, aber aufs Bett hinauf brauche ich massive Unterstützung. 

So total abhängig zu sein, ist ein beklemmendes Gefühl.

Trotzdem ist unsere Stimmung gut. Zusammen schaffen wir alles.

323 km

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So, 17. Mai

Wir haben sehr gut geschlafen.

Heute vor vier Wochen sind wir von Fischamend aus losgefahren.

Das ist ja ohnehin eine gute Zeit für einen „Urlaub“, trösten wir uns.

Bei Tageslicht sehen wir erst deutlich, wo wir gelandet sind.

Das Dorf ist sehr einfach und wirkt ärmlich. Die Häuser sind unverputzt.

Aber in den Gärten wächst alles, was man so braucht, sogar Wein.

Auch die Blumen blühen.

Die Leute sind ganz besonders freundlich.

Eigentlich habe ich mir ein albanisches Dorf genauso vorgestellt.

Magenta bietet uns ein günstiges Internet-Paket an, mit dem wir für eine bestimmte Zeit auch in den Nicht-EU-Staaten surfen können.

Das nehmen wir gerne an.

Kurz vor 7h fahren wir los. Wir sind einfach schon ausgeschlafen.

Die Sonne scheint. Das Land präsentiert sich uns freundlich.

Sehr nett finden wir die kleinen Dorf-Moscheen mit ihren einfachen, niedrigen, spitzen Minaretten, die fast wie Kirchtürme aussehen.

Der Ohridsee taucht vor uns auf - wunderschön. 

Es kommt uns fast so vor, als wären wir am Meer.

Der See gehört zu den ältesten und biologisch interessantesten Europas. 

Er ist vermutlich 1-3 Millionen Jahre alt und sehr tief. Das Wasser ist extrem klar und nährstoffarm.

Über 200 seltene Tier- und Pflanzenarten konnten sich in ihm erhalten.

Kein Wunder, dass er zum UNESCO-Welterbe gehört.

Er ist ungefähr so groß wie der Neusiedler See, wirkt auf uns aber „mächtiger“.

Kurz darauf überschreiten wir die NORDMAZEDONISCHE Grenze.

Die Vorsilbe „Nord“ musste die Republik erst 2019 anfügen, weil ja die Griechen auch eine Provinz Mazedonien haben. 

Seit 1991, dem Zerfall Jugoslawiens, streiten sie über die Verwendung des Namens.

Die Morgenstimmung ist sehr schön, aber es ist ziemlich kalt.

Hier haben die Moscheen wieder hohe, schlanke und reichverzierte Minarette, so wie man’s kennt.

Die Aufschriften sind kyrillisch, aber - wie in Bulgarien - ist auch hier vieles in lateinischer Umschrift zu lesen.

Immer wieder sehen wir auch albanische Flaggen. Albaner machen etwa ein Viertel der hiesigen Bevölkerung aus.

Erwähnenswert sind auch die vielen „selbst organisierten“ Hunde. Sie trotten dahin oder liegen herum. Es sieht nicht so aus, als hätten sie ein Zuhause.

Auf der Autobahn kommen wir gut voran. Bezahlt wird an Mautstationen.

TETOVO widmen wir einer Sitzbesichtigung. 

Sehr hübsch ist die Moschee, die reichlich mit bunten Arabesken bemalt ist.

Der Anblick desolater Wohnböcke erstaunt und nicht mehr. Aber erschüttert sind wir über eine ganze Reihe von Kanalschächten ohne Deckel. Wenn man in so ein Loch mit einem Rad hineinfährt …

Kurz vor der Grenze zum KOSOVO tanken wir noch sehr günstig.

Wir müssen eine spezielle Versicherung fürs Auto abschließen, bevor wir einreisen- 

€ 15,00.

Wir freuen uns, dass wir dieses Länderpickerl auf unsere Autorückwand kleben können.

Es ist gerade einmal 12h, und wir überschreiten heute bereits unsere dritte Staatsgrenze. Als Klaus dem Grenzbeamten die Pässe aushändigt, fragt er nach mir. Ich bin ja für ihn nicht zu sehen, weil ich hinten sitze.

Klaus erklärt: „My wife is insane“. Na ja, manchmal vielleicht ein bisschen … ;-)

Weiter geht’s durch eine gebirgige und dicht bewaldete Landschaft.

Wir sind auf dem Weg nach Pristina, der Hauptstadt.

In diesem Land zahlt man übrigens mit Euro, obwohl es nicht zur EU gehört.

Bis 2002 verwendete es die Deutsche Mark.

Auch hier wehen immer wieder albanische Fahnen.

Die Friedhöfe erscheinen uns ungewöhnlich. Einige Grabsteine stehen einfach in der Wiese herum- ein bisschen wie in England.

An der serbischen Grenze werden wir zurückgewiesen.

Die Grenzbeamten sind freundlich und erklären, dass „political reasons“ dafür verantwortlich sind. 

Der Kosovo wird hier nicht als eigener Staat anerkannt, sondern als Teil Serbiens- unter anderem, weil ihnen das „Amselfeld“ so wichtig ist. 

Die Schlacht fand 1389 statt, und die Osmanen haben gewonnen. 

Fürst Lazar fiel und wird seither als Heiliger verehrt.

Da geht es natürlich gar nicht, dass das jetzt nicht mehr zu Serbien gehören soll.

Jedenfalls sind wir ohne serbischen Einreisestempel offiziell illegal eingereist.

Ein Zöllner eilt mit einer Landkarte herbei und zeigt uns, wo wir am besten nach NORDMAZEDONIEN zurückfahren sollen. Von dort aus wird es bei der Einreise keine Probleme geben.

Wir wenden uns also Richtung SKOPJE und lassen es uns nicht verdrießen.

ARACHINOVO - Klaus überlegt, ob das etwas mit einer neuen Spinne zu tun hat ;-) - war eines der Zentren des Albanischen Aufstands. Ethnisch-albanische Guerilla-Kämpfer kontrollierten lange Zeit die Stadt und lieferten sich mit der Mazedonischen Armee erbitterte Kämpfe.

Ein großes Mahnmal mit riesigem albanischen Adler erzählt davon. 

Der Nationalismus am Balkan hat schon viel Unheil angerichtet.

Ganz friedlich ist der Platz nun, und wir werden hier völlig ungestört die Nacht verbringen.

477 km

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Mo, 18. Mai

Nach einer angenehmen Nachtruhe geht unsere Heimreise weiter.

Kurz nach 6h30 sind wir bereits auf Achse. „Der frühe Wurm hat einen Vogel“, meint Klaus.

Durch unseren unfreiwilligen Umweg haben wir nochmals die Möglichkeit, günstig zu tanken. Wir rechnen mehrmals nach. Kann das wirklich so billig sein?

„Da fahr’n wir öfter her“, scherzt Klaus.

Neben kleinen Moscheen mit zahnstocherartigen Minaretten sehen wir auch heftig „barocke“ orthodoxe Kirchen.

Wir werfen uns wieder auf die Autobahn.

Immer wieder werden mit großen Tafeln Raststätten angekündigt, die es aber (noch) nicht gibt.

SERBIEN hat sich ja auf dieser Reise bereits mehrmals gewehrt, uns aufzunehmen, aber heute klappt die Einreise endlich- sogar völlig „painless“.

Auf der fast leeren Autobahn rauschen wir bei recht kühlen Temperaturen weiter dahin.

Alles ist sauber. Auf den Parkplätzen stehen benutzbare Dixi-Klos.

Wir haben das Gefühl, dass wir uns Mitteleuropa annähern.

Nach unserer Mittagspause, kurz nach BELGRAD, überqueren wir die Donau.

Zum ersten Mal steht Wien angeschrieben.

Etwa um 15h stehen wir in der Warteschlange an der Grenze nach UNGARN.

Die LKW-Spur neben uns ist mehrere hundert Meter lang.

An der EU-Außengrenze wird eben gründlich kontrolliert.

Eine Stunde später geht es für uns weiter.

Strahlender Sonnenschein begrüßt uns.

Ab hier können wir wieder unsere eigenen Mobilen Daten nutzen.

Die Autobahn-Vignette haben wir bereits gestern online gekauft.

Die ersten Österreicher seit Wochen tauchen auf- ein Zeichen, dass wir uns der Heimat nähern.

Den letzten Schlafplatz dieser Reise finden wir in der Nähe von KECSKEMÉT, ein Stück vor BUDAPEST, auf einem Parkplatz an einem kleinen See, der in der Abendsonne daliegt.

Heute sind wir gewaltig weit gekommen, eine tolle Leistung von Klaus.

Morgen Mittag planen wir, in Wien zu sein.

724 km

 

Di, 19. Mai

Um 7h30 fahren wir los.

Jetzt ist es nicht mehr weit nach Hause.

Leider ist die Autobahn total verstopft, und wir stehen immer wieder im Stau.

Eine Baustelle folgt auf die nächste. Und Unfälle gibt es auch.

Diese Fahrt ist nochmals sehr anstrengend für Klaus.

Er nennt es eine Höllenfahrt.

Wir vergessen nicht, auch für Österreich eine Vignette zu kaufen.

Bei der Frühstückspause leeren wir das Klo aus und entsorgen all unseren Müll.

Um 11h30 passieren wir die Grenze nach ÖSTERREICH, ins BURGENLAND.

Um 12h30 kommen wir zu Hause an.

Wie bestellt, ist ein Parkplatz direkt vor unserem Haustor frei.

Jetzt sind nur noch ein paar Stufen zu unserer Wohnung hinauf zu überwinden.

Ich halte mich am Geländer an und hüpfe. Klaus stützt mich.

Bald düse ich, auf dem Rollator sitzend, fröhlich in der Wohnung herum.

Bis Klaus mich ermahnt, Ruhe zu geben und das kaputte Bein hochzulagern.

Übermorgen werden wir zur Kontrolle ins Krankenhaus fahren.

339 km

Gesamtstrecke: 5.721 km        

Der südlichste Punkt unserer Reise war tatsächlich LARISA, der östlichste war VARNA am Schwarzen Meer.                          

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